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Arten der Anämie

Was ist Anämie? Der umgangssprachliche Begriff „Blutarmut“ trifft es ganz gut. In der Medizin ist gemeint, dass die Gesamtmenge an rotem Blutfarbstoff in roten Blutkörperchen, die man zur Verfügung hat, nicht ausreicht. Bösartig ist nur ein kleiner Teil der Anämien. Die meisten Anämien kommen dadurch zustande, dass dem Körper Eisen fehlt. Das ist ein typisches Problem fehlender „Baustoffe“, aber nicht bösartig – wie auch ein Mangel an Vitamin B12 oder an Folsäure. Modellhaft: Die Blutfabrik ist in Ordnung, aber die Rohstoffe werden nicht zur Verarbeitung angeliefert.

Albertinen Krankenhaus - Albertinen Tumorzentrum - Bösartige Erkrankungen - Anämie / Leukämievorstufe
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An sich auch nicht bösartig ist das (recht seltene) Phänomen, dass das Immunsystem sich gewissermaßen in eine Fehlwahrnehmung verrennt und rote Blutkörperchen als böse Eindringlinge und zu bekämpfen ansieht: Es kommt zur Auflösung roter Blutkörperchen, und die Neuproduktion kann die rasche Zerstörung nicht kompensieren. Modellhaft: Rohstoffe stehen zur Verfügung, die Fabrik arbeitet auf Hochtouren, aber die Produktion wird sofort wieder vernichtet.

In Zusammenhang mit bösartigen Erkrankungen tritt Anämie häufig auf. Wenn Krebs fortschreitet, wird der Baustoffwechsel des Körpers heruntergeregelt. Chemotherapien zerstören leider häufig nicht nur die Zellen, die getroffen werden sollen, sondern auch Teile der Blutbildung. In diesen Fällen ist aber das Blut bildende Knochenmarkorgan selbst im Prinzip gesund. Modellhaft: Fabrik in Ordnung, Rohstoffe vorhanden, Produkte am Markt gewünscht, aber Bummelstreik.

Myelodysplasie

Anders ist es, wenn diejenigen Zellen, aus denen sich die Blutkörperchen bilden sollen, selbst das Problem sind. Eine krankhafte Veränderung der Chromosomen (Erbgut) von Vorstufen der roten Blutkörperchen kann die Blutbildung selbst zum weitgehenden Erliegen bringen. Modellhaft: Rohstoffe kein Problem, Arbeiter alle da, Produkte benötigt, aber jetzt sind die Maschinen falsch programmiert, und zwar häufig irreparabel.

Anämie-Erkrankungen vorwiegend im fortgeschrittenen Lebensalter, für die dies zutrifft, werden unter der Gruppenbezeichnung „myelodysplastische Syndrome“ zusammengefasst. Sie werden durch Untersuchungen des Knochenmarks diagnostiziert. Gemeinsam ist ihnen, dass sie eine überdurchschnittliche Wahrscheinlichkeit mit sich bringen, dass die genetische Störung intensiver und gefährlicher wird und dass sich aggressive Leukämien aus ihnen entwickeln könnten, die dann häufig tödlich verlaufen.

Im Vordergrund dieser Myelodysplasien steht, dass der Körper auf Blut von Spendern angewiesen sein kann, weil die eigene Produktion den Bedarf nicht mehr deckt. Es mag aber sein, dass nicht nur die roten Blutkörperchen betroffen sind, sondern auch die Gerinnungszellen (Blutplättchen, Thrombozyten). So gibt es Patienten, die neben roten Blutkörperchen auch Blutplättchen von Spendern transfundiert bekommen.

In den letzten Jahren wurden Medikamente gefunden, die in der Lage sind, die genetische Fehlprogrammierung günstig zu beeinflussen. Ganz überwiegend sind sowohl Diagnostik als auch Therapie und insbesondere Transfusionsbehandlung Aufgaben, die in spezialisierten hämatologischen Praxen ambulant durchgeführt werden.

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