Was ist ein Leistenbruch?

Der Leistenbruch ist eine der häufigsten chirurgischen Erkrankungen. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 250.000 Leistenbrüche operiert. Ein Leistenbruch kann beim Mann und bei der Frau in jedem Alter auftreten. In über 80% sind Männer  betroffen. Der Leistenbruch ist ein Defekt der Bauchwand im Bereich der Leiste. Durch den Defekt kommt es hier zu einer Ausstülpung des inneren Bauchfells nach außen. Je nach Ausprägung findet sich eine tast- oder sichtbare Vorwölbung in der Leistenregion oder im Hodensack. Medizinisch wird diese auch als Hernie (aus dem Griechischen:  hernios = Knospe) bezeichnet. In der Vorwölbung befindet sich der Bruchsack. Ein großer Bruchsack ist häufig mit Fettanteilen gefüllt. In seltenen Fällen können sich auch Darmanteile oder Anteile der Harnblase in ihm befinden.

Nicht selten verursacht ein Bruchsack Beschwerden. Es kann insbesondere unter Belastung, wie z.B. beim Sport oder bei starkem Husten, zu Schmerzen kommen. Der Schmerz kann in den Hodensack ausstrahlen. In seltenen Fällen können auch Darmanteile im Bruchsack einklemmen. Es drohen dann ein Darmverschluss und ein Absterben von Darmanteilen. In diesem Fall muss eine Notfalloperation durchgeführt werden.


Wie wird ein Leistenbruch behandelt?

Ein Leistenbruch sollte in der Regel operativ behandelt werden, da der Betroffenen nur durch eine Operation von seinem Bruchleiden geheilt werden kann.  Der Bruch sollte nach Diagnosestellung auch zeitnah operiert werden, da er sich im Laufe der Zeit vergrößert. Dann wird eine Bruchoperation schwieriger und das Risiko für eine Darmeinklemmung steigt.

Bei der Operation wird der Defekt in der Bauchdecke verschlossen. Meist ist hierfür das Einbringen eines Kunststoffnetzes notwendig. Ein Netz ist erforderlich, da sonst das Risiko für ein Wiederkehren des Bruches (med. Rezidiv) sehr hoch ist. Operationstechniken ohne Kunststoffnetz bleibt nur sehr jungen Patienten vorbehalten.  Das Kunststoffnetz kann in verschiedenen Techniken eingebracht werden. Entweder "offen" mit einem kleinen Schnitt über der Leiste in minimal-invasiver Technik (sog. Schlüssellochtechnik).

Die häufigsten Operationstechniken:

Bei der offenen Operation wird das Netz von vorne und bei der minimal-invasiven Operation von innen auf den Defekt aufgebracht.  Wir bieten sämtliche Operationsverfahren an. Welches Verfahren letztendlich durchgeführt wird, entscheiden wir individuell in einem gemeinsamen Beratungsgespräch mit dem Patienten.
Das operative Risiko ist gering. Das Risiko für ein Rezidiv liegt bei unter 2%. Schwerwiegende Komplikation wie größere Blutungen, chronische Leistenschmerzen, Wundinfekte oder Verletzungen der Hodengefäße sind noch deutlich seltener.  


Wie gestaltet sich der Behandlungsablauf?

Zunächst stellt sich der Patient mit dem Verdacht auf eine Leistenhernie in unserer Sprechstunde im Elektiven Aufnahmezentrum (EAZ) vor. Hier wird die Diagnose gesichert und die Operation mit dem Betroffenen besprochen. Noch am gleichen Tag findet das Vorbereitungsgespräch für die Narkose statt. Auf Wunsch kann die Operation auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Die Aufnahme findet dann am Operationstag statt. In den meisten Fällen wird die Operation ambulant durchgeführt, d.h. sobald die Narkose abgeklungen und der Patient beschwerdefrei ist, wird er wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Zur Entlassung wird der Patient mit einem Entlassungsbrief und mit einem Schmerzmittel versorgt, falls nach der Operation Schmerzen auftreten sollten. In Abhängigkeit von Begleiterkrankungen kann die Operation auch stationär erfolgen.  Die weitere Behandlung übernimmt dann der Hausarzt.

Was ist wichtig?

  • Kommen Sie bitte nüchtern zur Operation.
  • Kommen Sie bitte nicht mit dem Kfz zur Operation, Sie sind nach der Operation für 24 Stunden nicht verkehrstüchtig.
  • Blutverdünnende Medikamente (z.B. Clopidogrel ) müssen mindestens 7 Tage vor der Operation abgesetzt werden. ASS 100 kann weiter eingenommen werden.
  • Marcumarpatienten müssen vor der Operation auf Herparinspritzen umgestellt werden. Nach Umstellung erfolgt eine Gerinnungskontrolle am Tag vor der Operation durch uns.
  • Medikamente zur Senkung des Blutzuckers müssen am Tag vor der Operation abgesetzt werden. Die Einnahme von weiteren Medikamenten am OP-Tag wird mit den Narkoseärztinnen und -ärzten im Vorgespräch geklärt.

Worauf muss nach der Bruchoperation geachtet werden?

Der Hautfaden ist in den meisten Fällen resorbierbar und muss nicht gezogen werden. Duschen ist ab dem zweiten Tag nach der Operation erlaubt. Baden uns Schwimmen sollten Sie erst nach Abschluss der Wundheilung, also zwei Wochen nach der Operation. Normale körperliche Belastung ist direkt nach der Operation erlaubt. Mit leichter sportlicher Betätigung kann ab der zweiten Woche wieder begonnen werden. Extremsportarten, die die Bauchdecke sehr belasten (z.B. Bodybuilding oder Gewichtheben) sollten nicht vor Ablauf von vier Wochen nach der Operation wieder aufgenommen werden.
Wenn nach der Operation stärkere Beschwerden auftreten, wie z.B. Blutung aus der Wunde, deutliche Schwellung oder Rötung im Wundbereich, Wundsekretion, ein größerer Bluterguss oder  allgemeines Unwohlsein ist eine sofortige Vorstellung in der Notaufnahme unseres Krankenhauses erforderlich. Arbeitsunfähigkeit ist besteht im Allgemeinen für sieben bis zehn Tage. Eine entsprechende Bescheinigung wird von uns für drei Tage ausgestellt.