• Immanuel Albertinen Diakonie

Regelmäßig bringt ein LKW der Aktion "Immanuel Albertinen hilft" Lebensmittel und Medizinprodukte Richtung Ukraine. Konzerngeschäftsführer Matthias Blum hat mit Mitarbeitenden den Weg der Hilfsleistungen nachverfolgt. Ein Bericht aus Chelm.

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Ein Stück dem Krieg näher

Von unserem Logistikzentrum in Werder an der Havel bei Berlin aus führt eine Autobahn direkt bis in die Ukraine. Gefühlt, ohne auch nur einmal abzubiegen. Berlin, Frankfurt/Oder und dann nur noch geradeaus an Warschau und Lublin vorbei. Über 800 Kilometer, das sind knapp 8 Stunden Fahrt mit dem Auto. Wir sind unterwegs, um uns direkt einen Eindruck vor Ort zu machen. Unser Ziel: die kleine polnische Gemeinde Chełm, nur 25 km von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt. Wir, das sind Matthias Blum, Eva Maria Czysch, Holger Meyer und Thomas Maier, alle von der Immanuel Albertinen Diakonie. Matthias Blum, der gleichermaßen auch unser Fahrer ist, bringt uns mit Sicherheit und Ausdauer ans Ziel und wohlbehalten wieder zurück.

Ein Flüchtlingsstrom überflutet die baptistische Gemeinde

Als wir in Chełm ankommen, steuern wir direkt die dortige Baptistengemeinde an. Wir sind verabredet mit Jonasz. Er ist 30 Jahre alt und der Sohn des Pastors. Eigentlich ist er Senior Wirtschaftsprüfer bei einer der großen internationalen Organisationen und lebt in einer anderen Stadt. Aber als der Krieg in der Ukraine ausbrach und dann über Nacht plötzlich der Flüchtlingsstrom nach Polen begann, war die Baptistengemeinde gefragt und Jonasz. Vor etwas mehr als 50 Jahren hatte diese Gemeinde eine moderne Backsteinkirche gebaut. Eigentlich viel zu groß, wie Jonasz uns erzählt. Die rund 90 Gemeindeglieder mit im Schnitt 70 sonntäglichen Gottesdienstbesuchern konnten die räumliche Größe bisher bei weitem nicht füllen. Aber nun stellte sich die Größe des Gebäudes als wesentlicher Hilfsbaustein dar.

Die großen Herausforderungen werden gemeinsam gemeistert

Der Flüchtlingsstrom nimmt von Tag zu Tag zu und die ankommenden Hilfesuchenden müssen versorgt werden mit Essen, zum Teil mit Kleidungsstücken und vor allem aber mit humanen Schlafmöglichkeiten. Ab den ersten Tagen wird die Kirche zur Anlaufstelle: Sie wird ausgeräumt für Schlafbetten und Verpflegungsplätze. Freiwillige Helferinnen und Helfer müssen gefunden und angeleitet werden. Es stellt die Gemeinde vor extreme Herausforderungen. Innerhalb von drei Monaten werden in der Baptistengemeinde in Chełm über 4.800 Menschen versorgt.

Insgesamt fanden bis zu 280 Schlafbetten in der Kirche Platz. Der finanzielle und logistische Aufwand kommt schnell an seine Grenzen. Es zeigt sich, dass das Netzwerk der Baptistengemeinde trägt und auch die Menschen in der Nachbarschaft unterstützen tatkräftig.

Nicht nur aus dem polnischen Gemeindebund kommt Hilfe, sondern auch die internationale Gemeinschaft trägt. Dazu gehört auch der deutsche Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Zusammenarbeit mit der Immanuel Albertinen Diakonie. Im Rahmen der gemeinsamen Spendenaktion „Immanuel Albertinen hilft“ liefern wir über unsere Logistik- und Einkaufsgesellschaft Hospital LogiServe umgehend Lebensmittel und medizinisches Material. Seit Ende März fährt alle 14 Tage ein LKW nach Chełm.

Viele großartige freiwillig Mitarbeitende sind da

Wir sind sehr bewegt und bewundern zugleich die Entschlossenheit von Jonasz und den vielen ehrenamtlichen Helfern. Doch das ist noch nicht alles.

Die Baptistengemeinde in Chełm hat am Rande des Ortes eine große Lagerhalle angemietet und kauft inzwischen mit Spendengeldern Lebensmittel von den Großhändlern, um sie dann mit großen 38-Tonner-LKWs zusammen mit den von uns gelieferten medizinischen Artikeln in die Ukraine zielgerichtet zu den Menschen zu bringen.

Jonasz hat sich auch bereits persönlich ein Bild von der Lage in der Ukraine gemacht. Er berichtete von Irpin, Butscha und Kiew. Bis hinter die Frontline des Krieges ist er gefahren, um sicher zu gehen, dass die Lieferungen dort ankommen, wo sie benötigt werden und dort auch verteilt werden können. Zweimal wöchentlich macht sich inzwischen ein LKW Richtung Kiew auf. 1.200 Paletten mit Hilfsgütern wurden innerhalb der letzten 5 Monate geliefert.

Kostete der Einkauf von Lebensmittel für eine vollgepackte Palette zu Beginn noch rund 800 Euro, so hat sich auf Grund von Inflation und des Krieges der Preis auf mittlerweile um 50% auf 1.200 Euro erhöht. Auch das fordert Jonasz tagtäglich heraus und erfordert Kreativität und Spontanität, um weitere finanzielle Mittel einzutreiben.

Beeindruckende Menschen packen selbstverständlich mit an

Wir fahren gemeinsam zum Lager am Rande der Stadt. Eine riesige Lagerhalle aus Betonelementen tut sich vor uns aus. Wir steigen aus dem Auto, gehen die Rampe hoch und durch das weit geöffnete Ladetor. Gleich am Eingang ein großes Schild: „We love Ukraine, we support Ukraine“. Auf der linken Seite ein Plakat in Handschrift mit Gebetszeilen. Wir gehen hinein. Im dunklen Licht erblicken wir sechs junge Menschen, die um einen Tisch stehen. Sie machen wohl gleich Feierabend. Angestrengt und müde schauen sie uns mit einem Lächeln und zugleich mit einem fragenden Gesichtsausdruck an: „Was die wohl von uns wollen?“ Wir stellen uns vor. Gut, dass Eva Maria Czysch mit dabei ist, die mit ihrem Sprachschatz beim Übersetzen aushilft. Im weiteren Gesprächsverlauf ist es dann auch oft Englisch, das eine gemeinsame Verständigung ermöglicht.

Kazik, Martin, Ola, Maxim, Katia und Maddie stellen sich vor. Schon aus ihren Worten, ohne dass wir alles verstehen, ist ihr großes Engagement und ihre Leidenschaft zu entnehmen. Sie alle arbeiten ehrenamtlich bei der Verteilung der Hilfslieferungen mit. Sie sind ein Teil eines großen Teams. Maddie, die 22-jährige junge Frau aus den USA, hat ihr Studium unterbrochen und ist auf eigene Kosten nach Polen gekommen, um zu helfen. In den nächsten Tagen wird sie in die Ukraine weiterfahren, um dann vor Ort die Auslieferung zu koordinieren. Sie zeigt uns im Schnelldurchlauf Fotos auf dem Smartphone von ausbrannten Panzern in den Wäldern der Ukraine, auf die Friedenstauben in den ukrainischen Nationalfarben gemalt worden sind. Ein Zeichen der Hoffnung an jenem verlassenen Ort.

Auch wir sind dabei gefragt

Wir sind tief bewegt und auch etwas beschämt von solch einem Mut und selbstloser Hingabe. Wir inspizieren die große Lagerhalle. Eine fast unüberschaubare Menge an abgepackten Palletten sind darin gestapelt, gefüllt mit Nudeln, Konserven, Mehl, Linsen, Milch, Keksen und vielem mehr. Ein Teil geht direkt an die Frontlinie. Wir entdecken nun auch einige medizinische Artikel, die wir durch unser Hilfsprojekt schon seit Wochen regelmäßig liefern.

Unsere Lieferungen werden dringend gebraucht, wie uns Jonasz versichert. Während die Lebensmittel vor Ort eingekauft werden können, sind medizinische Hilfsgüter nicht so leicht zu bekommen. Holger Meyer, der Geschäftsführer von Hospital LogiServe, ist auch deshalb mitgekommen, um im Detail abzusprechen, wie und ob wir hier nachsteuern müssen. Klar ist auf jeden Fall: Weitere Lieferungen werden dringend benötigt.

Wir sitzen abends nochmal in einem Restaurant am Marktplatz der Kleinstadt zusammen. Jonasz sitzt mit am Tisch. Sein Handy klingelt fast ununterbrochen. Es geht fast immer um die Ukrainehilfe. Er legt sein Handy zur Seite und hört uns mit müden Augen zu. Unser Interesse und auch unser tiefes Bewegtsein kann er aus unseren Gesichtern ablesen und selbst unsererseits unausgesprochene Fragen und Gedanken beantworten.

Obwohl wir noch einige wenige Kilometer von der Ukraine entfernt sind, ist es doch ein beklemmendes Gefühl, so nah an dem Land zu sein, in dem gerade ein grausamer Krieg herrscht. Es ist so viel anders und näher als die Informationen aus den Medien zu sehen und zu lesen. Klar ist, wir wollen und müssen weiter helfen. Und wir haben mit der Baptistengemeinde in Chełm und mit Jonasz vertrauenswürdige Partner.

Unsere Hilfe und Unterstützung kommt an

Am nächsten Morgen fahren wir frühmorgens zum Warenlager. Zwei weitere Helfer, Kazimierz und Mariusz, öffnen die Türen zur Halle. Dort treffen wir unseren polnischen Fahrer Dariusz, der am Donnerstag zuvor unsere Hilfslieferung aus dem Lager in Werder abgeholt hat und dann über Nacht durchgefahren ist. Er freut sich, dass er uns bei der Aktion „Immanuel Albertinen hilft“ unterstützen kann. Er fährt gerne regelmäßig die Strecke.

Mit Hubstablern ist der LKW schnell entladen, wartet doch bereits ein 38-Tonner-LKW zur Beladung für eine Fahrt an die Front in die Ukraine. Das Team der Ehrenamtlichen packt kräftig an. Es geht schnell und geräuscharm vonstatten. Ein eingespieltes Team. Wir hoffen und beten, dass alles gut geht.

Nach einem kurzen Austausch und Instant-Kaffee mit Keksen fahren wir zurück nach Berlin. Wir tauschen uns aus. Wir sind froh und dankbar vor Ort gewesen zu sein und von den Hilfsaktionen der Baptistengemeinde berichten zu können. Zugleich beschäftigen uns diese Eindrücke und hinterlassen nachhaltige Spuren.

Ein Beitrag von Matthias Blum, Eva Maria Czysch, Holger Meyer und Thomas Maier

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