• Immanuel Albertinen Diakonie

Zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober machen Schlaganfall-Expertinnen und -Experten der Stroke Units in der Immanuel Albertinen Diakonie auf die flüchtigen Symptome aufmerksam, die oft Vorboten von Schlaganfällen sind: Die sogenannten transitorischen ischämischen Attacken (TIA).

Wie sich diese Vorboten ankündigen, erklärt Privatdozent Dr. Michael Rosenkranz, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation im Albertinen Krankenhaus in Hamburg-Schnelsen. „Sie müssen sich das so vorstellen: Bei einem Erdbeben gibt es häufig erst kleinere Erdstöße und man denkt, das ist nicht so schlimm. Und dann kommt das richtige Erdbeben“. So sei das oft auch bei Schlaganfällen.

Vorboten des Schlaganfalls

„TIAs sind insofern problematisch, als  sie oft von den Betroffenen oftmals nicht unmittelbar mit einem Schlaganfall in Verbindung gebracht und daher unterschätzt werden“, erläutert Dr. Wolfram Belz, Oberarzt der Abteilung für Neurologie und Schmerztherapie der Immanuel Klinik Rüdersdorf bei Berlin. Bei welchen Symptomen sollte man denn den Notruf wählen? „Die Vorzeichen sind plötzlich auftretende, neurologische Defizite, wie motorische Störungen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen in einer Körper- oder Gesichtshälfte, einseitige Sehstörungen und jede Art von plötzlich auftretenden Sprach- oder Sprechstörungen. Wenn diese Symptome plötzlich auftreten, sollte man unmittelbar eine Rettungsstelle aufsuchen oder dorthin gebracht werden“, erklärt Dr. Belz.

Das Tückische ist, dass diese Symptome oft nach einer Weile wieder verschwinden. „Die Symptome werden in der Regel als harmlos eingeschätzt. Dabei vergeht wertvolle Zeit, weil den Menschen nicht bewusst ist, dass sie in Gefahr sind“, legt Dr. Rosenkranz dar. Statt abzuwarten sei es wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen. Die Angst einen Fehlalarm auszulösen, sei unbegründet: „Besser zehnmal Fehlalarm, als einmal zu spät“, so der Experte. Bei einem Verdacht auf Schlaganfall muss der Rettungsdienst eine Stroke Unit – so heißen die Schlaganfalleinheiten – ansteuern. Das sollte so schnell wie möglich erfolgen, denn bei einem Schlaganfall zählt jede Minute: Bereits nach einer Minute sterben die ersten Nervenzellen ab.

Was ist eine Stroke Unit?

Eine Stroke Unit ist eine Schlaganfalleinheit, die auf die optimale Versorgung von Schlaganfallpatienten spezialisiert ist. Dort arbeiten Neurologen, Therapeuten und Pflegekräfte multiprofessionell zusammen, die für die Behandlung von Schlaganfallpatienten speziell ausgebildet und geschult sind. In der Stroke Unit wird nach den Ursachen des Schlaganfalls geforscht und die entsprechende Behandlung eingeleitet. „Es geht beim Schlaganfall nach der Erstdiagnostik und -therapie darum, Verschlechterungen zu erkennen und zeitnah Ursachenforschung zu betreiben“, erläutert Dr. Belz.

Beim Schlaganfall tickt die Uhr: Wenn ein Patient oder eine Patientin in die Rettungsstelle eingeliefert wird, erfolgt sofort eine Computertomographie (CT), um etwaige Hirnblutungen oder Blutgerinnsel im Gehirn aufzuspüren bzw. andere Ursachen für die Symptomatik auszuschließen. Das muss schnell gehen: „Wir haben sportlichen Ehrgeiz: Innerhalb von 30 Minuten muss nicht nur die Diagnose gestellt, sondern gegebenenfalls auch schon die Behandlung eingeleitet worden sein“, erläutert Dr. Rosenkranz das Vorgehen. Größere Gefäßverschlüsse können unter Röntgenkontrolle mittels spezieller Kathetern entfernt werden, der sogenannten mechanischen Thrombektomie. „Das ist eine ausgefeilte Technik, die hervorragend funktioniert“,  meint der Experte. Zusätzlich zur mechanischen Thrombektomie sowie bei kleineren Gefäßverschlüssen kommt beim akuten Schlaganfall häufig  eine sogenannte Thrombolyse zum Einsatz. Dabei wird ein Medikament in die Vene verabreicht, das den „Klebstoff“ Fibrin, der die Blutkörperchen verklebt, auflöst und Blutgerinnsel sehr schnell zersetzt.

Zertifizierte Qualität

Im Albertinen Krankenhaus werden im Jahr rund 800 Schlaganfallpatientinnen und -patienten behandelt, in der Immanuel Klinik Rüdersdorf sind es etwa 400. In der Regel bleiben die Patienten in der akuten Phase ein bis drei Tage auf der Stroke Unit, danach noch wenige Tage auf der neurologischen Allgemeinstation. Im Bedarfsfall werden auf die Patienten in die  Anschlussneurologische Normalstation oder direkt  in eine Rehabilitationsklinik verlegt.

Eine Besonderheit im Albertinen Krankenhaus ist die Versorgung von schwerkranken Schlaganfallpatienten in der neurologischen Frührehabilitation. Hier werden diejenigen Patienten, die einen schweren Schlaganfall erlitten haben, ab dem ersten Tag so lange intensiv therapiert, bis sie nicht mehr im Krankenhaus bleiben müssen und in eine Rehaeinrichtung verlegt werden können. Wie auf der Stroke Unit arbeiten hier Neurologen, Therapeuten und Pflegekräfte Hand in Hand, um in der sensiblen Phase nach einem Schlaganfall die Patienten so gut wie möglich zu versorgen. „Es wäre fatal, wenn in der Zeit nichts gemacht würde“, meint Dr. Rosenkranz. 

Die beiden Schlaganfalleinheiten in der Immanuel Albertinen Diakonie sind zertifiziert durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe als regionale Stroke Units. Die Zertifizierung ist sehr aufwändig, da eine umfangreiche Dokumentation der Schlaganfallbehandlungen nachgewiesen werden muss. Auch das Personal muss speziell geschult und ausgebildet sein und die entsprechenden diagnostischen Einrichtungen und Verfahren müssen rund um die Uhr vorgehalten werden. Die Stroke Units sind pflegerisch und ärztlich besonders gut besetzt, um bei Notfällen zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit zu sein.

Schlaganfall: Ursachen und Vorsorgemaßnahmen

Eine häufige Ursache von Schlaganfällen ist die Verkalkung der Halsschlagadern durch Ablagerungen an den Gefäßwänden (Arteriosklerose). So entstehen Engstellen in den Gefäßen, an denen sich Blutplättchen anlagern und ein Gerinnsel mit nachfolgendem Gefäßverschluss bilden können. Eine Herzensangelegenheit von Dr. Rosenkranz ist es, auf das Vorhofflimmern als Risikofaktor aufmerksam zu machen. Dabei handelt es sich um eine mitunter nur kurzzeitig auftretende Form einer bedeutsame Herzrhythmusstörung, bei der sich Blutgerinnsel in den Herzvorhöfen bilden können: „Das Vorhofflimmern selber tritt häufig von den Betroffenen unbemerkt auf“, berichtet der Neurologe. Daher sei es in vielen Fällen wichtig, mit dem gebotenen Aufwand und Geduld sehr sorgfältig nach vorübergehenden Episoden von Vorhofflimmern zu suchen.

Damit es erst gar nicht zu einem Schlaganfall kommt, empfehlen die Neurologen daher dringend, Herz und Gefäße vorbeugend von einem Spezialisten untersuchen zu lassen. Ebenso sollten Blutdruck und Cholesterinwerte überprüft und bei Bedarf gesenkt werden. Als allgemeine Vorbeugung wird empfohlen, sich ausgewogen zu ernähren und sich mindestens zweimal pro Woche 30 Minuten sportlich zu betätigen.

Weitere Informationen zum Weltschlaganfalltag 2021

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