Die Nachmittagsseminare finden Montag bis Donnerstag jeweils 16.30 bis 18.00 Uhr statt.

Die Teilnehmerzahl je Seminar ist auf max. 15 begrenzt.

Für die vollständige Teilnahme an den Nachmittags-Seminaren erhalten Sie insgesamt 8 Fortbildungspunkte.

N01 Systemtheorie & Psychodynamik: Vertiefungsseminar

Dr. sc. hum. Dipl.-Psych Corina Aguilar-Raab

Systemtheorie & Psychodynamik: Vertiefungsseminar
Verbindung von systemischem Denken und psychodynamischen Konzepten

In diesem Seminar werden zunächst wichtige systemtheoretische Aspekte und systemische Praxiselemente vorgestellt und schließlich mit psychodynamischen Kernkonzepten in Verbindung gebracht. Dabei stehen folgende Themen und Fragen im Vordergrund: 

Das Unbewusste und die Dynamik bzw. Struktur der Psyche; (2) Systemische und psychodynamische Konfliktkonzeption - Gemeinsamkeiten und Unterschiede; (3) das Relationale in der therapeutischen Arbeit - oder was bedeutet psychodynamische Musterunterbrechung und welche Rolle spielt das Symptom-Verständnis? (4) Der Ressourcen-orientierte Blick im Umgang mit „Defiziten“ oder wie die Perspektive auf das Problem das therapeutische Handeln beeinflusst. Das Seminar ermöglicht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Aspekte des Vortrags vertiefend zu beleuchten, in der gemeinsamen Diskussion eigene Gedanken und Erfahrungswerte auszutauschen und anhand von Praxisbeispielen mögliche Synergien aus systemischen und psychodynamischen Aspekten für die eigene therapeutische Arbeit zu reflektieren.

N02 - Weltanschauung im Behandlungsraum

Dr. rer. med. habil. Martin Altmeyer, Dipl.-Psych.

Fragen der Intersubjektivität in der psychotherapeutischen Beziehung

Politischer Radikalismus, religiöser Fundamentalismus, Verschwörungstheorien aller Art - in unseren Beratungsstellen und therapeutischen.Praxen werden wir zunehmend mit Ansichten konfrontiert,.die uns irritieren. Doch Selbst- und Weltbild sind nicht voneinander.zu trennen, vor allem nicht bei Menschen in Not. Was also tun bei der.Beratung von Klienten, in der Behandlung von Patienten, im Verlauf.von Gruppentherapien? Sollen wir befremdliche Meinungen über Gott.und die Welt ignorieren, ihnen widersprechen, sie hinterfragen? Hier.sind auch unsere eigenen Überzeugungen berührt, sodass zusätzlich.die Frage von Übertragung und Gegenübertragung ins Spiel kommt. All das stellt einerseits eine Belastungsprobe für die therapeutische.oder Beratungsbeziehung dar. Andererseits liegt darin auch eine.Chance, mit Patienten oder Klienten zusammen die innere Verbindung.zwischen Selbst- und Weltbeziehung zu erforschen, womöglich mehr.über Geschichte und Art ihrer seelischen Störung, ihres Leidens an.der Realität, ihrer Alltagsprobleme zu erfahren. Im Seminar wird an.eigenen Beratungs- und Behandlungsfällen aus der Praxis der Teilnehmer:innen gearbeitet, und zwar aus Sicht einer modernen Psychoanalyse, die stets auf das Beziehungsgeschehen achtet.

N03 - Innere und äußere Realität

Dipl.-Psych. Gabriele Amelung
Dipl.-Psych. Inge Hahn

Als psychodynamisch arbeitende Psychotherapeut:innen sind wir sowohl mit dem Trennen wie mit dem Verbinden von innerer und äußerer Realität befasst. Wir sind damit vertraut, dass Beziehungserlebnisse der Vergangenheit eine innere Realität schaffen, die uns Situationen als voller Gefahren oder freudig erleben lassen. Die äußere Realität ist uns zugänglich über die Vorstellungen, die wir von ihr ausbilden, die innere ist geprägt von teils bewussten, größtenteils aber unbewussten Phantasien, Gedanken und Gefühlen. Das Verhältnis von Innen- und Außenübertragungen, die Rolle der äußeren Realität und der Gegensatz von Übertragungs- und realer Beziehung müssen in jeder Behandlung reflektiert werden. In den letzten zweieinhalb Jahren haben wir Psychotherapeut: innen mit der Pandemie und dem Krieg in der Ukraine einen massiven „Einbruch“ der äußeren Realität in unsere Behandlungszimmer erlebt. Welche Auswirkungen hatte dies auf uns und den Patient:innen sowie auf den uns vertrauten Rahmen? Wir werden dies theoretisch und anhand von Vignetten und Erfahrungsberichten, auch der Teilnehmer:innen, reflektieren.

N04 - Operationalisierte Psychodynamische Therapie (OPT)

Prof. Dr. phil. Cord Benecke

Macht sowas Sinn?

Die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD) ist ein rein diagnostisches Instrument. Zunehmend tauchte der Wunsch auf, aus der OPD-Diagnostik abgeleitete Empfehlungen für die Therapie zu formulieren, die über die Fokus- und Ziel-Formulierung, wie sie bereits im OPDManual beschrieben sind, hinaus gehen.

Dabei soll das Rad nicht neu erfunden werden: bestehende psychodynamische Behandlungskonzepte bilden die Basis für die OPT. Einen Mehrwert einer OPT gegenüber bestehenden Manualen/Büchern sehen wir in der angestrebten Stringenz zwischen OPDDiagnostik, Zielformulierung, Behandlungsplanung, Behandlungsstrategie und -technik, Ableitung von zu erwartender Übertragung/Gegenübertragung, zur erwartenden Komplikationen etc. Es sollen für die wichtigsten „Typen“, also für die häufigsten Konflikt-Modus-Struktur- Kombinationen ausführliche Prozessbeschreibungen erarbeitet werden.

Wir erwarten, dass die Ausformulierung der Operationalisierten Psychodynamischen Therapie den Therapeut:innen nützliche Hilfestellungen für die klinische Praxis geben wird. Im Seminar sollen die ersten Entwürfe zur Diskussion gestellt werden.

Prof. Dr. phil. Cord Benecke bietet auch ein Vormittagsseminar (V01) an.

N05 - Input aus der Queer Theory?!

Dipl.-Psych. Almut Rudolf-Petersen

Anregungen für die psychodynamische Theorie und Praxis

Die Queer Theory hat zwar keinen klinischen Fokus wie die psychodynamischen Theorien, aber sie kann als kritisches und dekonstruktives Moment in der psychodynamischen Konzeptbildung angewandt werden und somit auch in die Behandlungspraxis einfließen. Dieser Einfluss ist vielleicht am spürbarsten bei der Vorstellung vom Unbewussten, das nicht in der Tiefe existiert, sondern immer wieder neu entsteht, nicht zuletzt in der Übertragungsbeziehung. In ähnlicher Weise könnte der Körper gedacht werden: nicht als faktische Tatsache, sondern als Verkörperung, als Körper im ständigen Werden. Zudem könnten die Formulierungen von Interventionen und Deutungen wegen der Infragestellung von Eindeutigkeit, Autonomie und Wahrheit sehr viel vager ausfallen. Der Schwerpunkt des Seminars wird auf der Behandlungspraxis liegen: Wir werden mit Stundenmaterial arbeiten und Interventionsmöglichkeiten durchspielen, die von den dekonstruierenden Momenten der Queer Theory beeinflusst sind. In Behandlungen, in denen Non-Binarität, Geschlechtsidentitäten oder maskuline Femininität im Fokus sind, wird das vermutlich besonders hilfreich sein.

Klinisches Material ist willkommen!

N06 - Strömung und Stagnation (Libido und Lethe)

Dr. med. Andreas Sadjiroen

Triebtheoretisches Verstehen klinischer Phänomene

Nachdem die Triebtheorie schon für tot erklärt wurde, kann sie sich aktuell wieder Gehör verschaffen. Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Objektbeziehungstheorie kein Konzept für die Kräfte hat, die am Zustandekommen von Fühlen, Denken und Tun unübersehbar beteiligt sein müssen. Diese Lücke füllt die Triebtheorie. Eine Triebtheorie ist aber nur dann praktikabel, wenn sie „strömt“, d.h. wenn sie in sich keine formal-logischen Brüche aufweist. Einen solchen Bruch musste aber Sigmund Freud aufgrund der Unvollständigkeit seiner Theorie 1920 vollziehen, ohne dass er selbst oder seine Schüler die hierbei entstandenen formal-logischen Brüche hätten auflösen können. Infolge jahrzehntelangen Forschens darüber konnte Cordelia Schmidt-Hellerau (1995, 2006, 2018) Freuds Theoriebruchstücke schließlich psychologisch und metapsychologisch widerspruchsfrei in einer Theorie vereinen, sie also wieder zum „Fließen“ bringen und damit wieder brauchbar machen. Dass und ob dies so ist, soll anhand klinischen Materials gemeinsam in der Gruppe überprüft und geübt werden. Seminarteilnehmer: innen sind herzlich eingeladen, Fälle vorzustellen.

N07 - Wofür Strömungen in der Psychosenpsychotherapie?

Dr. med. Hans Schultze-Jena
Dr. phil. Dipl.-Psych. Karsten Schützmann

Zwischen Nähe und Distanz, Zuwendung u. Abstinenz, Parteilichkeit u. Neutralität

Das Seminar richtet sich nicht nur an Psychosetherapeut:innen, sondern auch an Behandler:innen anderer strukturell gestörter Kranker. Grundsätzlich hat es immer schon Bestrebungen in der Psychoanalyse gegeben, mit weniger aufwändigen Maßnahmen Patienten zu helfen, für die aufgrund ihrer Symptomatik oder ihrer psychosozialen Lebensbedingungen die Psychoanalyse als Standardbehandlung nicht infrage kam. Herbert Rosenfeld („Psychotic States“ (1965, dt. zul. 2002) vertrat dagegen durchgehend die Auffassung, dass auch Psychosekranke am meisten von dieser Standardbehandlung (mindestens 6 x pro Woche) profitieren würden; insbesondere warnte er vor Beruhigung/Beschwichtigung, Beratung und erzieherischen Maßnahmen. Im Weiteren fanden zunehmend präverbale Beziehungserfahrungen und kommunikative Möglichkeiten der frühen Lebensjahre Beachtung für die Entwicklung einer geeigneten Behandlungstechnik.

Im Seminar sollen wenige ausgewählte Vertreter der mittlerweile bekannten „Strömungen“ gelesen und an Fallbeispielen diskutiert werden.

N08 - Von „fear of breakdown“ zu realen Katastrophen?“

Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Christine Kirchhoff

Psychodynamisch Denken und Arbeiten in Zeiten gesellschaftlicher Krisen

Angesichts der gegenwärtigen globalen Krisen – Klimawandel, Pandemie, Angriffskrieg in Europa – stellt sich die Frage nach der „Kultureignung“ des Menschen (Freud) mit großer Dringlichkeit. Ausgehend von Freuds Arbeiten zu Krieg, Tod und Vergänglichkeit und mit Bezug auf Arbeiten von u.a. Bion und Winnicott, soll es im Seminar darum gehen, die gegenwärtigen Krisen psychoanalytisch und kulturkritisch zu reflektieren. Da die drängende Gegenwart von Krisen in der äußeren Welt auch vor der psychotherapeutischen Praxis nicht haltmacht, soll es zum anderen darum gehen, sich vor dem Hintergrund des Erarbeiteten über die Erfahrungen mit dieser Situation auszutauschen. Was wird aus dem „thinking under fire“ (Bion), wenn der Wald in Europa brennt? Wie verhält sich die „Angst vor dem Zusammenbruch“ zu der Angst vor dem Zusammenbruch der uns gewohnten äußeren Welt? Diese und andere Fragen möchte ich gerne mit Ihnen diskutieren. Dabei werden wir uns theoretische Grundlagen erarbeiten (Input durch die Dozentin), Begriffe klären und das theoretisch Erarbeitete nutzen, um vor diesem Hintergrund die eigene praktische Tätigkeit zu reflektieren.

Das Seminar richtet sich an interessierte Praktiker:innen; Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

N09 - Strömungen der Zeit

Prof. Dr. phil. Martin Teising

Zur Auflösung psycho-sozialer Grenzen

Der Zeitgeist wird von einer weitgehenden Auflösung traditioneller Grenzen geprägt. Ihr liegt das individuelle Streben nach autonomer Selbstbestimmung zugrunde. Gleichzeitig gibt es ein Bedürfnis nach Beziehung und Bindung. Die Psychodynamik dieses Konfliktes soll am Beispiel der Diskussion um den assistierten Suizid, der Transgenderproblematik, des Umgangs mit der Covid-Pandemie und der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine, sowie der grenzenlosen Ausdehnung aber auch der allseitigen Verfügbarkeit durch das Internet besprochen werden.

Alle diese Aspekte werden auch anhand klinischer Beispiele behandelt. Weitere Themen zu diesem Problemkreis können von den Teilnehmenden eingebracht werden.

N10 - Entspannung, insb. Progressive Muskelrelaxation

Prof. Dr. med. Dr. phil. Dorothea Huber

Einblicke in körperorientierte Verfahren

Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson wird in ihrem Konzept, ihrer Anwendung und differenziellen Therapieindikation vorgestellt und diskutiert. Zunächst wird sie in der Gesamtgruppe durchgeführt und, wenn möglich, anschließend in Kleingruppen eingeübt. Es werden verschiedene Entspannungsinstruktionen (Lang- und Kurzentspannung, Version für Sitzen und für Liegen, differenzielle Entspannung) sowie die Kombination mit einer mentalen Entspannung (Ruheszene) vorgestellt, ausprobiert und gelernt. Auch in fremdsuggestive und selbstsuggestive Verfahren, wie insb. das Autogene Training, wird ein Einblick gegeben und erste Selbsterfahrung wird ermöglicht. Auch die Wirkprinzipien des Biofeedbacks zur Entspannung werden dargestellt. Kriterien für die Auswahl des optimalen Verfahrens werden besprochen. Die psychosomatischen Effekte von Entspannungsverfahren werden dargestellt und Anwendungsbeispiele gegeben.

Handouts mit verschiedenen Instruktionen werden verteilt, so dass neben der Selbsterfahrung auch Fähigkeiten für die Durchführung mit Patienten vermittelt werden.

Bitte bequeme Kleidung und Wolldecken (ggf. Isomatten) mitbringen.

N11 - Psychoboom in Hamburg 1970-2000

PD Dr. med. Dipl.-Psych. Ulrich Lamparter

...langsam werden wir selbst historisch

Seit den 1970er Jahren kam es in Deutschland zu einem „Siegeszug“ der Psychotherapie, der nicht zuletzt zu einem neuen Heilberuf führte. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine vielfältige und dynamische Disziplin, die sich hinsichtlich ihrer Inhalte und Verfahrensweisen differenzierte, ein Neben- und Gegeneinander verschiedener Schulen und Traditionen hervorbrachte und unterschiedliche Berufsbilder ausprägte.

Diese wechselvolle historische Entwicklung ist auch und besonders in Hamburg mit einer Vielzahl verschiedener Institutionen und Personen verbunden. Das Seminar geht den Etappen dieser Entwicklung nach und verortet damit die eigene psychotherapeutische Tätigkeit in diesem größeren Zusammenhang und im Kontext soziokultureller und psychohistorischer Entwicklungen auf dem Weg von der 68er-Bewegung bis hin zum ersten Psychotherapeutengesetz. Dazu sollen auf Langeoog auch biographische Interviews geführt werden.

N12 - TFP – Übertragungsfokussierte Psychotherapie

Prof. Dr. Philipp Martius

Kernbergs ermutigender Beitrag zur Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen

Wir erarbeiten uns einen Überblick über die TFP (transference-focused psychotherapy). Die psychodynamische sogenannte Übertragungsfokussierte Psychotherapie wurde von Otto Kernberg zur Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen entwickelt und liegt als Behandlungsmanual vor.

Geplant sind tägliche thematische Schwerpunkte: (Tag 1) Einführung und Überblick, (Tag 2) Identität und Dyaden, (Tag 3) Strukturelle Diagnostik, (Tag 4) Rahmenbedingungen und Contract, (Tag 5) Therapeutische Techniken. Diese Inhalte werden beschrieben, und anhand von Fällen praxisnah veranschaulicht.

Behandlungsbeispiele der Teilnehmenden sind ausdrücklich erwünscht!