Die Nachmittagsseminare finden Montag bis Donnerstag jeweils 16.30 bis 18.00 Uhr statt.

Die Teilnehmerzahl je Seminar ist auf max. 15 begrenzt.

Für die vollständige Teilnahme an den Nachmittags-Seminaren erhalten Sie insgesamt 8 Fortbildungspunkte.

N01 Angst und Psychose

Dr. med. Hans Schultze-Jena
Dr. phil. Dipl.-Psych. Karsten Schützmann

Manifestationen und Bewältigungsmöglichkeiten der Angst vor dem Selbstverlust

Dr. med. Hans Schultze-Jena

Dr. phil. Dipl.-Psych. Karsten Schützmann

Kein anderer Affekt ist so eng mit Psychosen verbunden wie der Affekt der Angst. Die Angst manifestiert sich beispielsweise als diffuse Angst in der Psychosenähe, als existenzielle Angst im Bedrohungserleben akuter Psychosen, als lähmende und allgegenwärtige Angst vor dem Rückfall in eine akute Psychose, als Angst vor Überwältigung in der Begegnung mit wichtigen anderen ... Allen diesen Ängsten liegt die für Psychosen typische Angst vor dem Selbstverlust (S. Mentzos) zu Grunde, die die Betroffenen belastet und  häufig zu folgenreichen Abwehrbewegungen zwingt. In der Psychotherapie der Psychosen sind das Erkennen und die Bewältigung dieser Angst wichtige Aufgaben, aber auch wichtige Anliegen der gemeinsamen therapeutischen Arbeit, worum es im Seminar vor allem gehen soll.

N02 Ängste in unrepräsentierten Zuständen

Dr. phil. Dipl.-Psych. Bernd Nissen

Klinische, behandlungstechnische und theoretische Überlegungen

Dr. phil. Dipl.-Psych. Bernd Nissen

„Unrepräsentierte Zustände“ hat sich als Oberbegriff für eine Vielzahl von Phänomenen etabliert, wie namenlose, aktuale, traumatische Zustände, Zweithautbildungen, Zusammenbrüche, autistische und autistoide Phänome. Sie finden sich in fast allen Persönlichkeiten und sind nicht selten für Verflachungen, Stillstände und Sackgassen in Behandlungen verantwortlich. Häufig bleiben sie stumm, entfalten aber auch urplötzlich starke, frei flottierende Angst. Im Seminar sollen einige theoretische Konzepte, die diese Struktur und Dynamiken umkreisen, vorgestellt werden, insbesondere soll aber den Phänomenen und Dynamiken, in denen sich unrepräsentierte Zustände in der klinischen Situation zeigen, nachgespürt werden. Auf dieser Basis werden behandlungstechnische Überlegungen erörtet.

N03 Sprechen über Sexualität in Psychotherapien

Dr. med. Wilhelm F. Preuss

Sprechen über Sexualität in Psychotherapien

Dr. med. Wilhelm F. Preuss

Ausgehend vom Vortrag zur Geschlechtsdysphorie soll überlegt werden, warum nicht nur Besonderheiten der Geschlechtsidentitätsentwicklung, sondern auch sexuelle Bedürfnisse und Ängste - über 50 Jahre nach der sogenannten „sexuellen Revolution“ - in Psychotherapien häufig vermieden werden. Ausgehend von eigenen therapeutischen Erfahrungen sollen folgende Themen behandelt werden: Warum, wie und von wem wird das Thema Sexualität in Psychotherapien vermieden? Welche Rolle spielt dabei der Zeitgeist? Warum wird die professionelle Beschäftigung mit dem Sexualleben von Patientinnen und Patienten an besondere Institutionen (z.B. Spezialambulanzen) delegiert? Weitere Themen: die Sexualanamnese im Rahmen von Erstgesprächen; Reflexion über das spezifische Erkenntnisinteresse am Sexualleben einer Patientin/eines Patienten; individuelle sexuelle Entwicklung, psychosexuelle Entwicklung und Geschlechtsidentitätsentwicklung; affektive Aspekte des Explorierens; therapeutischer Umgang mit Intimitäts- und Schamgrenzen besonders bei sexuell traumatisierten Patientinnen und Patienten; Überweisungskompetenz hinsichtlich sexueller Funktionsstörungen, Geschlechtsinkongruenz (Transsexualität) und strafrechtlich relevanter Störungsbilder (Pädophilie).

N04 Soziale Angst und Regression in der Adoleszenz

PD Dr. med. Carola Bindt
Bettina Gehle

Reifungskrisen und Phänomene seelischen Rückzugs

PD Dr. med. Carola Bindt

Bettina Gehle

Soziale Angst wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen häufig als zentrales Symptom genannt, das sie an der Teilhabe an notwendigen und erwünschten sozialen Aktivitäten behindert. Rückzug vom Alltag und Realitätsvermeidung, oft begleitet von einer Besetzung virtueller Welten, führen zur Entwicklungsverzögerung oder -regression. Solche Reifungskrisen können vorbestehende Versagensängste und Selbstwertkonflikte verstärken, die verstanden und bearbeitet werden müssen. Abhängig vom psychischen Strukturniveau kann die soziale Angst Ausdruck überwältigender Beschämungsängste, der Projektion überhöhter Ich-Ideal-Ansprüche, abgewehrter Rivalitäts- und Neidgefühle bis hin zu paranoider Wahrnehmungsverzerrung sein. Interkulturell finden sich im „Pervasive Refusal Syndrome“ bei geflüchteten Kindern und Jugendlichen sowie im „Hikikomori“ junger Erwachsener in Japan teils epidemieartige Ausprägungen regressiver Tendenzen. Vor dem Hintergrund jugendpsychiatrischer und psychosomatischer  Klinikerfahrung wollen wir uns über die Altersspanne der Adoleszenz mit psychodynamischen Modellen, sozialpsychologischen Theorien zum Verständnis des Phänomens, spezifischen Übertragungskonstellationen und Behandlungsansätzen beschäftigen. Eigene Fallvignetten der Teilnehmenden sind willkommen.

N05 Angst in Gruppen, Teams und Organisationen

Dr. med. Claas Happach
Dr. med. Rudolf Heltzel

Vom Wunsch nach Zugehörigkeit und von der Angst vor Vereinnahmung

Dr. med. Claas Happach

Dr. med. Rudolf Heltzel

Im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs sind die Themen Vereinzelung und Einsamkeit, Zugehörigkeit und Gemeinschaftsresilienz in den Fokus gerückt.

Gruppen können sowohl Ängste mobilisieren, wenn z.B. dem Einzelnen Beschämung oder Ausschluss drohen, als auch Ängste binden, wenn z.B. ein gemeinsamer Feind im Außen gefunden wird oder Überzeugungen geteilt werden, die identitätsstabilisierend i.S. eines „chosen trauma“ (V. Volkan) wirken. Im Seminar sollen aus dem jeweiligen Erfahrungshintergrund der Leiter anhand von Fallbeispielen die unbewussten Dynamiken erörtert werden, die Prozessen in therapeutischen Gruppen, wie auch solchen in Teams bzw. Organisationen zugrunde liegen.

Ein besonderer Fokus soll auf dem Umgang mit den destruktiven Kräften der „anti-group“ (M. Nitsun) liegen, die zu Spaltungen und Bedrohungen des Fortbestands der Gruppe führen können. Wie kann es der Leiterin/dem Leiter bzw. der Beraterin/dem Berater gelingen, die kreativen Kräfte der Gruppe wieder zu mobilisieren?

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N06 Scham in der Psychotherapie

Dipl-Psych. Victoria Gerdesmann
Dipl.-Psych. Carlotta Nord

Scham in der Psychotherapie

Dipl-Psych. Victoria Gerdesmann

Dipl.-Psych. Carlotta Nord

„Der Mensch ist das einzige Tier, das errötet. Oder es nötig hat.“ (Mark Twain)

In Psychotherapien spielt das Gefühl des Sich-Schämens eine zentrale Rolle. Die klassischen, intrapsychisch orientierten Erklärungsmodelle zur Entstehung von Schamkonflikten können nur einen Teil der Thematik erfassen. Die Erkenntnisse der Säuglingsforschung und der intersubjektiven Psychoanalyse ermöglichen jedoch ein breiteres psychodynamisches Verständnis. Für die heutige psychotherapeutische Praxis haben wir eine Vielzahl von Ansätzen um mit Schamaffekten sowohl auf Patieninnen und Patienten- als auch auf Behandlerinnen- und Behandlerseite, sowie bei verschiedenen Stöungsbildern fruchtbar umzugehen. Der Schwerpunkt des Seminars wird Behandlungstechnik sein.

Das Einbringen eigener Fallvignetten ist gewünscht.

N07 Rezeptive Musiktherapie und mentalisierte Affektivität

Dr. phil. Ruth Liesert

Rezeptive Musiktherapie und mentalisierte Affektivität

Dr. phil. Ruth Liesert

Rezeptive Musiktherapiemethoden können Patientinnen und Patienten, die in der Therapie keine oder wenig Aussagen über ihr emotionales Befinden machen können, unterstützen, dieses zu identifizieren, es auszudrücken und über dessen Kontext nachzudenken. Auf diese Weise kann Musikhören mit der Aufmerksamkeit auf sich selbst die Angst vor dem Wahrnehmen von – auch unbewussten - Gefühlen und davor, sie nicht benennen zu können, vermindern. In diesem Seminar werden mit Bezug zum Konzept der  mentalisierten Affektivität rezeptive Methoden vorgestellt. Beispielhaft wird dargestellt, wie das Hören von Musik, eingebettet in einen Rahmen, von Benefit für die Psychotherapie sein kann. Die Teilnehmenden hören verschiedene Musikstücke und experimentieren mit Ausdrucksmöglichkeiten zum Gehörten. Diese Erfahrungen werden reflektiert und in Bezug zur Arbeit mit Patientinnen und Patienten gesetzt.

N08 „Es zerfrisst einen sozusagen schon im Kopf“ - Wie können wir das Sprechen über Verlustangst und Verluste unterstützen?

Prof. Dr. med. Miriam Haagen

Wie können wir das Sprechen über Verlustangst und Verluste unterstützen?

Prof. Dr. med. Miriam Haagen

Zu dem psychosozialen Stress der Pandemie gehört auch die verstärkte Auseinandersetzung mit Verlustängsten. Die Angst, das eigene Leben oder das eines geliebten Angehörigen zu verlieren, begleitet Menschen in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Lebenssituation und -erfahrung. Wenn Kinder Angst vor dem Sterben oder Todeswünsche äußern, reagieren ihre Eltern alarmiert. Was soll ich dem Kind sagen? Kinder und Jugendliche, aber auch kranke Menschen wünschen sich nicht selten ein offenes Gespräch, so wie der Jugendliche, der im Titel zitiert wird. Er hatte große Angst um seine Mutter und wagte kaum, darüber zu sprechen.

Studien belegen seit langem, dass es bei einem nicht unwesentlichen Teil von Hinterbliebenen zu viele Jahre andauernden schwierigen Trauerverläufen mit physischen Beschwerden und psychischen Erkrankungen kommt. Die Referentin verfügt
über langjährige Erfahrungen in der Begleitung von Familien mit Krankheit und Verlust. Aus ihren wissenschaftlichen, gesprächslinguistischen Arbeiten stammen zudem Beispiele zum Sprechen über Verlusterfahrungen, die diskutiert werden. Außerdem wollen wir uns darüber austauschen, wie Gespräche in der Praxis mit Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen über Todesängste und Verlust unterstützt werden können. Es werden Anregungen aus der aktuellen psychodynamischen Literatur zum Thema gegeben.

Eigene Beispiele der Teilnehmenden sind willkommen!

N09 Der Wunsch nach Autonomie

Prof. Dr. phil. Martin Teising

und die Angst vor Abhängigkeit

Prof. Dr. phil. Martin Teising

Die Selbstbestimmung des Individuums gilt in westlichen Kulturen als höchster ethischer Wert, wie zum Beispiel das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum assistierten Suizid gezeigt hat. Zugleich haben wir uns von digitalen Kommunikationsmedien enorm abhängig gemacht. In diesem Workshop wollen wir über den Widerspruch zwischen dem Wunsch nach unabhängiger Selbstbestimmung und nach Abhängigkeit im Laufe des Lebens nachdenken.

Fallbeispiele aus der psychotherapeutischen Praxis und persönliche Erfahrungen der Teilnehmenden können gern eingebracht werden.

N10 Angst und Familie

Prof. Dr. Inge Seiffge-Krenke

Transgenerationale Aspekte von Angst

Prof. Dr. Inge Seiffge-Krenke

Das Seminar beschäftigt sich mit der Frage der Angst als Folge von Brüchigkeit und Strukturverlust in der Familie und stellt Angstmodelle in der Familie u.a. als Folge elterlicher Angststörungen, bei Separationsangst, bei Vernachlässigung und elterlicher Gleichgültigkeit oder zuviel Besorgnis (Helikopter- Eltern) bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor. Therapeutische Aspekte werden beleuchtet.: Wie viel Unterstützung ist sinnvoll und notwendig, ohne „Helikopter- Therapeutinnen und Therapeuten“ zu werden, warum kann man sich von manchen Patientinnen und Patienten besonders schwer trennen etc.

Fallbeispiele und Vignetten der Teilnehmenden sind sehr willkommen.

N11 Prokrastination und Versagensangt

Arnhild Uhlich

Die Qual der Prokrastination aus Angst nicht zu genügen

Arnhild Uhlich

Oft kippt die fleißige Pflichterfüllung aller selbstaufgestellten To-do-Listen unserer Patientinnen und Patienten in eine quälende Prokrastination oder die Erledigung „auf den letzten Drücker“. Ist da ein „inneres Erfolgsverbot“ am Werk und zwingt zur Selbstsabotage? Oder scheint das Scheitern paradoxerweise eher Sicherheit zu geben als die eigentlich ersehnte Annerkennung durch die Anderen? Sich mit Kompetenzlust zeigen und lustvoll rivalisieren zu dürfen, wird dann oft zum Tabu. Die sich wiederholende passive Vermeidung etwas „zu schaffen“ wird zwar auch beschämend erlebt, aber der Mut sich zu zeigen muss dennoch panisch vermieden werden.

Mit 4 unterschiedlichen Fallgeschichten sollen verschiedene psychodynamische Zugänge illustriert und theoretisch eingeordnet werden. Hilfreich sind dabei die Konzepte Freuds (Die am Erfolg scheitern), Balints (Angstlust u. Regression) und die phobische und die kontraphobische Angstbewältigung bei narzisstischen Defiziten und der Angst nicht zugehörig zu sein.

Bei der gemeinsamen Diskussion der Behandlungsmöglichkeiten sind auch Fallvignetten der Teilnehmenden erwünscht.

N12 Frühe Ängste

Dipl.-Psych. Ellen Zamory

Zu Herkunft, Erscheinungsformen und Wirkung

Dipl.-Psych. Ellen Zamory

Unser Anfang beginnt mit Trennung, was mit überwältigenden Affekten und Phantasien einhergeht, und daraus folgenden heftigen Angstzuständen. Sie brauchen jemand Anderes, der/die bereit ist, aufzunehmen, zu verstehen und zu beantworten, so dass diese körpernahen, strukturlosen Kräfte transformiert und symbolisierend gebunden werden können. Das bedeutet enorme Abhängigkeit vom Primärobjekt und gelingt aber auch nie vollständig. So können unterschiedliche Störungen an unterschiedlichen Entwicklungspunkten entstehen, die sich in je eigener Weise ausdrücken und ihre Wirkung bis ins hohe Alter zeigen. Dieses Feld soll im Seminar erkundet werden wie auch Möglichkeiten des Umgangs in den Behandlungen.

N13 Die Rolle von Angst, Schuld und Scham (ehemals D04)

Dipl.-Psych. Gabriele Amelung
Dipl.-Psych. Inge Hahn

bei der transgenerationalen Weitergabe von Traumatisierungen

Dipl.-Psych. Gabriele Amelung

Dipl.-Psych. Inge Hahn

Das bekannte Phänomen, dass ganze Selbstanteile, manchmal wie ein unabhängiges Selbst, abgespalten ein Eigenleben führen können, soll unter bekannten und neuen Blickwinkeln betrachtet werden. Diese abgespaltenen psychischen Inhalte können traumatisches Erleben unter Verschluss halten. Ein „angepasster“ Selbstanteil ist im Alltagsleben unauffällig und hat eigene verdrängte Anteile, ein anderer –abgespaltener Anteil - wird nur unter bestimmten Umständen (z.B. Trigger) aktiviert und führt dann ein dominantes, häufig gefährliches Eigenleben, das von dem anderen Anteil nicht mehr kontrolliert werden kann. Auch diese Selbstanteile haben ein eigenes Verdrängtes. Selbst- und Fremdgefährdung gehen von gewalttätigem, politisch destruktivem, promiskuitivem und pädophilen Verhalten aus, um nur einige Gefahren zu nennen. Therapeutisch ist es schwer, mit diesen Selbstanteilen in Kontakt zu kommen, so dass diese Patienten eine besondere Herausforderung darstellen.

Die Muster transgenerationaler Weitergabe sind auf andere Gruppen übertragbar, zum Beispiel auf Geflüchtete oder Menschen in zweiter und dritter Generation, deren Eltern aufgrund von in der Heimat fehlenden Arbeitsmöglichkeiten oder politischer Verfolgung  emigrieren mussten. Deswegen können sich mitgebrachte Fallvignetten gern auf diese Gruppen beziehen. Eine Dozentin wird aus einer Forschungsgruppe zu transgenerationaler Weitergabe Material darstellen.