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Albertinen-Krankenhaus
Pathologie

Obwohl für den Patienten meist unsichtbar, spielt der Pathologe bei der Behandlung von Krebserkrankungen eine wesentliche Rolle. So stellt er vor Beginn der Behandlung aus entnommenen Gewebeproben (sog. Biopsien) die Bösartigkeit fest. . Oftmals können spezielle Tumorgewebeeigenschaften (z.B. aggressives Wachstum), die der Pathologe untersucht, darüber entscheiden, ob eine örtliche Ausschneidung ausreichend oder eine ausgedehnte Tumoroperation notwendig ist. Mehr und mehr nimmt der Pathologe zudem bereits an den Biopsien molekulare Untersuchungen der Krebszellen vor, deren Ergebnisse Einfluss auf die Auswahl von Medikamenten haben können, insbesondere auf die Kombination der Chemotherapie mit biologischen Hemmstoffen des Tumorwachstums oder auf die Anwendbarkeit von Immuntherapien.

Tumorklassifikation

Auch nach Entfernung des Tumors kommt der Pathologie eine verantwortungsvolle Aufgabe zu. Das Operationspräparat wird in einem aufwändigen Verfahren untersucht. Hierzu wird der Tumor in zahlreiche dünne Scheiben geschnitten und es werden sämtliche entnommenen Lymphknoten präpariert und auf einen Tumorbefall hin gesondert untersucht. Der Pathologe nimmt dann eine Tumorklassifikation („Stadieneinteilung“) gemäß internationalen Standards (UICC) vor. Diese beinhaltet die Beurteilung des Tiefenwachstums des Tumors (T), die Anzahl der befallenen Lymphknoten (N), das so genannte Grading (G), mit dem der Grad der Aggessivität erfasst wird, das Einwachsen in Lymphbahnen (L) und kleine Blutgefäße (V) und Nervenscheiden (Pn)des Weiteren Angaben zum Schnittrand (R) und damit der Vollständigkeit der Entfernung des Tumors. . Ferner kann es sein, dass der Pathologe Metastasen identifiziert (M).

Diese im sogenannten TNM-System zusammen gefassten Informationen geben Hinweise auf die Aggressivität und Rückfallwahrscheinlichkeit des Krebses. Hieraus kann in der interdisziplinären Tumorkonferenz abgeleitet werden, ob weitere, über die OP hinausgehende Maßnahmen zu empfehlen sind, wie eine zusätzliche Chemo- oder Strahlentherapie.

Die sorgfältige Aufarbeitung von Operationspräparaten kann einige Tage in Anspruch nehmen, denn hierzu werden häufig Spezialfärbemethoden des Gewebes angewandt.  Gelegentlich muss aber der Operateur sofort Entscheidungen treffen können. Dann nimmt der Pathologe im Operationssaal auch eine so genannte Schnellschnittuntersuchung des schockgefrorenen Präparates vor, wenn sich daraus eine Änderung des Operationsablaufes ergibt.

Schriftliches Gutachten

Spätestens aus der vollständigen Untersuchung des Operationspräparates, manchmal schon der ersten kleinen Tumorprobe, resultiert ein schriftliches Gutachten des Pathologen. Es ist das entscheidende Dokument. Nicht nur, dass hier der grundlegende Beweis schriftlich vorliegt, dass der betroffene Mensch überhaupt an Krebs erkrankt ist, sondern es ist oft unmittelbare Grundlage für weitere Behandlungsschritte. So wird beispielsweise von Onkologen gefordert, dass sie im Grundsatz keinen Patienten mit Krebsmedikamenten therapieren, wenn sie nicht dieses Dokument im Wortlaut vorliegen haben.

Weitere Funktionen sind mit ihm verbunden: So ist es  eines der wichtigsten Dokumente für die Beurteilung der Qualität des Chirurgen; es.  muss. ggf. Angaben zu eventuellen chirurgischen Verletzungen der Tumoroberfläche enthalten, weil in diesen Fällen eine erhebliche Zunahme des Rückfallrisikos zu erwarten wäre.

"Molekulare Pathologie"

Neben Diagnosesicherung, Klassifizierung und Stadieneinteilung des Krebses gewinnt die Pathologie eine zunehmend wichtige Bedeutung bei der Planung einer medikamentösen Tumortherapie. Für einem Teil der Krebse erlaubt die molekulare Untersuchung von spezifischen Tumorgenen (sog.“Genchip“-Analyse)  eine Vorhersage über die Anwendbarkeit spezieller Medikamente.

Molekulargenetische Analysen sind sogar bereits aktuelle Instrumente der Vorsorge/Früherkennung. So steht fest, dass z.B. 5-10% der Darmkrebserkrankungen
familiär gehäuft, in einem jüngeren Lebensalter und in ungewöhnlicher Lokalisation (rechtsseitig) auftreten. Bei einem Teil der Betroffenen kann eine vermehrte „Brüchigkeit“ des Erbgutes (genetische Instabilität, Mutationen) und damit eine familiäre Veranlagung festgestellt werden. Daraus ergeben sich geeignete Vorsorgemaßnahmen bei den Angehörigen.


Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Institut für Pathologie

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