Was versteht man unter einem Knochenaufbau über körpereigene Knochentransplantation (Spongiosaplastik) und Kallusdistraktion (Segmenttransport)?

Die Entstehung eines Knochendefektes kann verschiedene Ursachen haben. Um wieder einen stabilen Knochen und somit eine belastbare Extremität herzustellen, muss dieser Knochendefekt zur Ausheilung gebracht werden. Kleinere Knochendefekte (bis ca. 3 cm) können über eine körpereigene Knochentransplantation (Spongiosaplastik), größere Defekt können über einen Segmenttransport, oder auch Kallusdistraktion genannt, aufgebaut werden. Der Knochen kann hierfür unter anderem aus dem Becken oder dem Schienbeinkopf stammen.

Bei welchen Erkrankungen und Verletzungen kann ein Knochenaufbau notwendig werden?

Knochendefekte entstehen am häufigsten durch Knocheninfektionen (Osteitis/Osteomyelitis), aber auch durch Knochenverlust nach Unfällen oder Tumoroperationen. Aber auch Beinverkürzungen, zum Beispiel nach Unfällen oder auch durch Fehlwachstum, können so ausgeglichen werden.

Was passiert im Vorfeld einer Behandlung?

In der Regel sind Knochendefekte die Folge von zuvor erfolgten, notwendigen Operationen, daher sind diese Patienten bereits in Behandlung und die Möglichkeit solcher Folgeoperationen wurde mit den Betroffenen schon im Vorfeld besprochen. Zunächst muss eine eventuell vorliegende Infektion beruhigt werden, ansonsten hätte der Knochenaufbau wenig Aussicht auf Erfolg.

Die richtige Methode für den Knochenaufbau muss für den Patienten individuell ausgewählt werden und auch Alternativen müssen besprochen werden. Hierfür sind die klinische Untersuchung des Patienten sowie aktuelle Röntgen- und ggf. auch CT-Aufnahmen erforderlich. Die Vorbereitung auf die Operation unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Operationen, die behandelnden Ärzte stehen für alle Fragen zur Verfügung.

Welche Methoden werden bei diesen Therapien genau eingesetzt, wie verläuft eine Behandlung?

Für eine körpereigene Knochentransplantation stehen verschiedene Entnahmestellen zur Verfügung, Nachdem der Knochen (Spongiosa) entnommen wurde wird der knöcherne Defekt angefrischt und mit der Spongiosa aufgefüllt.

Ein Segmenttransport oder auch die Kallusdistraktion wird in der Regel über einen speziellen äußeren Stabilisator durchgeführt. Hierfür verwenden wir entweder einen Ringfixateur oder ein sogenanntes Monorail-System, worüber ein vorsichtig abgetrenntes, gesundes Knochenstück in den geschlossenen Weichteilen transportiert wird, sodass gesunder Knochen nachwachsen kann. Mit dieser Methode kann 1 Milimeter Knochendefekt pro Tag aufgebaut werden. In der Regel wird nach Abschluss des Transportes im Bereich der Andockstelle eine Spongiosaanlagerung erforderlich, damit das Transportsegment gut anheilen kann.

Kann die Behandlung auch ambulant durchgeführt werden? Wie lange dauert ein stationärer Aufenthalt durchschnittlich?

Um die jeweiligen Operationen herum ist mit einem stationären Aufenthalt von 7-14 Tagen zu rechnen, die weitere Behandlung wird dann ambulant geführt. Die Entfernung des Fixateurs nach abgeschlossener Behandlung kann ambulant erfolgen.

Wie lange kann eine solche Therapie insgesamt andauern? Wie viele Operationen sind notwendig?

Insgesamt ist die Behandlung vor allem mittels Segmenttransport aufwendig und langwierig. Häufig ist dieses jedoch die einzige Möglichkeit eine belastungsfähige Extremität zu erreichen und damit die Extremität (das Bein) zu erhalten. Während für das Einheilen einer Spongiosaplastik ungefähr drei Monate eingeplant werden muss ist die Behandlung über einen Segmenttransport deutlich zeitaufwändiger. Hier muss für einen Zentimeter Knochendefekt mit 30 Tagen Behandlungsdauer gerechnet werden, bei 5 cm sind es dann schon ungefähr 150 Tage.

In der Regel sind 2-3 Operationen erforderlich, in einigen Fällen sind jedoch auch mehrere Operationen erforderlich, wenn z.B. der Knochen nach abgeschlossener Behandlung nicht ausreichend stabil ist und eine Stabilisierung über eine Plattenosteosynthese oder einen Marknagel erforderlich wird.

Aus was besteht eine optimale Nachsorge?

Eine solche komplexe Behandlung sollte in jedem Fall in einer spezialisierten Abteilung erfolgen. Nach abgeschlossener Behandlung und auch während der Behandlung sollte ambulant weiterhin Physiotherapie durchgeführt werden. Bei stabil ausgeheiltem Knochen ist ansonsten keine regelmäßige Therapie erforderlich. Ob und in welchem Maße Beschwerden verbleiben, hängt vor allem von der Schwere der ursprünglichen Verletzung bzw. dem Ausmaß der daraus entstandenen Komplikationen ab.

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