Warum kommt es zu Infektionen von künstlichen Gelenken (Hüft-, Knie-, Schulter-, Ellengelenk- und Sprunggelenkprothesen) inklusive Wechseloperationen und wer ist davon betroffen?

Wie bei jeder Operation besteht auch bei künstlichen Gelenken das Risiko, dass es zu einer bakteriellen Infektion kommt. Dies kann bei der Operation oder auch über die Wunde nach der Operation vorkommen. Es ist jedoch auch möglich, dass Bakterien im Rahmen eines Infektgeschehens an anderer Stelle im Körper über die Blutbahn verschleppt werden und so auch Jahre nach der Kunstgelenkoperation zu sogenannten Spätinfekten führen.

Welche Symptome können bei dieser Erkrankung auftreten?

Die Symptome können ganz unterschiedlicher Qualität sein. Manchmal sind es nur leichte bis mäßige Schmerzen und Schwellneigung oder ein „nicht Zurechtkommen“. Die Entzündungswerte im Blut sind dann oft nur gering oder gar nicht erhöht. Es kann bei hochakuten Infekten auch zu sehr ausgeprägten Entzündungszeichen mit Rötung, Schwellung und Überwärmung des betroffenen Gelenkes sowie auch zu Fieber und Schüttelfrost mit erheblichen Krankheitsgefühl kommen. Hier finden sich meist auch deutlich erhöhte Entzündungswerte in der Blutuntersuchung.

Wie wird die Infektion diagnostiziert und wie geht es nach der Diagnose weiter?

Bei den akuten Infekten ist die Diagnose in der Regel eindeutig und leicht zu stellen. Bei chronischen, schwelenden Infekten kann es jedoch schwieriger sein. Häufig werden dann mehrere Untersuchungen wie die Gelenkpunktion, Blutuntersuchung, Röntgen und ggf. auch CT und Szintigraphie erforderlich. Dieses ist auch wichtig um die Kunstgelenkinfektion von einer nichtbakteriellen Lockerung abzugrenzen. In Zusammenschau der Befunde wird dann gemeinsam mit Patientinnen und Patienten ein individuelles Behandlungskonzept besprochen.

Wie wird die Infektion behandelt, welche Behandlungsmethoden gibt es?

Zeigt sich in der Diagnostik eine Infektion des Kunstgelenkes kommt man in der Regel an einer Operation nicht vorbei. Entweder wird ein Wechsel der Prothese erforderlich oder bei frühen Infekten kommt auch der Versuch einer Erhaltungsoperation in Frage. Hierbei wird das Kunstgelenk operativ gründlich gereinigt und wechselbare Komponenten werden durch neue ersetzt. Wir haben außerdem die Möglichkeit lokal Antibiotikaträger einzulegen um die Infektion zu bekämpfen, zusätzlich verabreichen wir eine systemische Antibiotikatherapie als Infusion oder in Tablettenform.

Wie lange dauert die Behandlung und wie verläuft der Aufenthalt im Krankenhaus?

Nach durchgeführter Operation muss man mit einem stationären Aufenthalt von mindestens ein bis zwei Wochen rechnen. Direkt am Tag nach der Operation wird mit Physiotherapie begonnen. Ist eine Wechseloperation des Kunstgelenkes erforderlich, führen wir diesen in der Regel zweizeitig durch. Das heißt in einer ersten Operation wird das infiziert einliegende Kunstgelenk zunächst entfernt und es wird vorübergehend ein Platzhalter eingesetzt. Ist die Infektion sicher beruhigt, kann circa sechs Wochen nach der ersten Operation das neue Kunstgelenk eingesetzt werden. Zwischenzeitlich kann jedoch die Entlassung in die Häuslichkeit oder in eine geeignete Einrichtung erfolgen.

Aus was besteht eine optimale Nachsorge?

Nach erfolgreicher Behandlung sollten ambulant Kontrollen erfolgen. Diese sollten anfangs noch engmaschiger erfolgen, später sind dann noch jährliche Kontrollen sinnvoll. Im Rahmen der Kontrollen können die Entzündungswerte im Blut bestimmt werden und es können konventionelle Röntgenbilder angefertigt werden. Bei Problemen mit dem Kunstgelenk sollten sich Patientinnen und Patienten jedoch in jedem Fall an eine Spezialabteilung wenden.

Kann die Erkrankung nach einer Behandlung erneut auftreten? Ist nach einer erfolgreichen Behandlung ein beschwerdefreier Alltag möglich?

Die Infektion eines Kunstgelenkes kann nach erfolgreicher Behandlung dauerhaft beruhigt werden. In einigen Fällen kommt es jedoch auch manchmal erst nach Jahren zu einem erneuten Aufflammen der Infektion. Ein beschwerdefreier Alltag ist in jedem Fall möglich, kann aber leider nicht bei allen Patientinnen und Patienten erreicht werden. Wie groß die verbleibenden Einschränkungen sind, hängt letztendlich von vielen Faktoren ab.