Was versteht man unter einer Fehlstellungs- und Längenkorrektur der Extremitäten bei Deformitäten und Längendifferenzen?

Fehlstellungen oder Längendifferenzen an den Extremitäten können angeboren sein oder auch durch fehlverheilte Knochenbrüche nach Unfällen entstehen. Hierbei können Achsfehlstellungen (X-Bein oder O-Bein), Drehfehler (Innen- oder Außendrehfehler) oder auch Beinlängendifferenzen entstehen. Diese lassen sich durch Operationen korrigieren.

Bei welchen Erkrankungen / Verletzungen ist eine solche Behandlung notwendig?

Ob eine Korrekturoperation erforderlich ist, hängt von der Art und dem Ausmaß der Fehlstellung bzw. der Längendifferenz ab und vor allem vom persönlichen Leidensdruck der Patientinnen und Patienten. Auch kann eine Fehlstellung einer Extremität zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen, sodass auch das ein Grund für eine Korrektur sein kann.

Was passiert im Vorfeld einer Behandlung?

Am häufigsten finden sich diese Fehlstellungen an der unteren Extremität, also an den Beinen. In den meisten Fällen ist nur eine der Extremitäten betroffen, sodass man versucht diese an die gesunde Extremität anzugleichen. Wichtig ist zunächst genau zu bestimmen was die Fehlstellung verursacht. Zum einen kann es eine einfache Fehlstellung an nur einer Stelle eines Knochens sein, es können jedoch auch komplexe, kombinierte Fehlstellungen an verschiedenen Stellen sein (z.B. Drehfehler und Achsfehler am Oberschenkel und zusätzlich Achsfehler und Verkürzung am Unterschenkel).

Um dies sicher herauszufinden, ist zum einen die körperliche Untersuchung wie auch eine spezielle Röntgen und CT-Diagnostik (z.B. Ganzbeinstandaufnahmen beidseits und Mess-CT) erforderlich. Im Anschluss an die Diagnostik muss man mit dem Patienten gemeinsam genau besprechen, welche Korrekturen sinnvoll sind und wie der zeitliche Ablauf sein soll. Präoperativ wird die Korrektur am Computer oder anhand von Röntgenbildern geplant.

Welche Methoden werden bei diesen Therapien genau eingesetzt, wie verläuft eine Behandlung bzw. Operation?

Die Korrekturoperation verläuft anhand der vor der Operation durchgeführten Planung, so wie mit den Patientinnen und Patienten ausführlich besprochen. Hier wurde festgelegt, an welchen Stellen des Knochens in welchem Winkel korrigiert werden soll. Kleinere Fehlstellungen können meist über eine einfache Korrektur mit Stabilisierung über eine Plattenosteosynthese erfolgen. Grobe Fehlstellungen mit zum Beispiel zusätzlich erheblicher Beinverkürzung kann man auch sukzessive über spezielle externe Fixateure (Hexapoden) durchführen. Insbesondere bei vorgeschädigten Weichteilen mit ausgedehnten Vernarbungen hat der Fixateur externe (äußerer Festhalter) Vorteile.

Kann die Behandlung auch ambulant durchgeführt werden? Wie lange dauert ein stationärer Aufenthalt durchschnittlich?

Die Vorbereitung der Operation kann zumindest zum Teil ambulant erfolgen. Die Dauer der stationären Behandlung beträgt in der Regel ein bis zwei Wochen.

Wie lange kann eine solche Therapie insgesamt andauern? Wie viele Operationen sind notwendig?

Die Behandlungsdauer ist erheblich vom Ausmaß der Fehlstellung und Extremitätenverkürzung abhängig. So kann die Behandlung einige Wochen oder auch viele Monate dauern. Auch die Anzahl der erforderlichen Operationen ist unterschiedlich. So kann eine Operation ausreichend sein, es können jedoch auch drei oder mehr Operationen erforderlich werden.

Aus was besteht eine optimale Nachsorge?

Zunächst sollte ambulant weiterhin Physiotherapie durchgeführt werden. In einigen Fällen ist die Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln (Schienen, Orthesen oder Maßschuhen) erforderlich. Bei stabilem Knochen ist ansonsten keine regelmäßige Therapie erforderlich. Eine solche Behandlung sollte nur in einer spezialisierten Abteilung durchgeführt werden.