„Teamgeist in Volksdorf“

Interview mit Maike Sellentin

Frau Sellentin, für die eiligen Leserinnen und Leser:  Was zeichnet das Amalie aus? Bitte in drei Worten!

Modernität, familiäre Atmosphäre, Teamgeist

Behauptet das nicht jede Klinik von sich?

Wahrscheinlich ja (lacht), aber für uns stimmt das! Baulich gesehen sind wir ein Haus, das 2015 mit zwei Erweiterungsbauten und einer umfassenden Modernisierung im Bestandsgebäude wirklich sehr attraktiv geworden ist. Aber auch das Arbeiten bei uns folgt modernen Prinzipien: Wir setzen innovative Konzepte wie das Primary Nursing um, wir arbeiten in flachen Hierarchien, unsere Führungskräfte im Pflegedienst haben alle eine Zusatzqualifikation, die sie dazu befähigt, moderne Führungskonzepte umzusetzen, und wir verfügen über ein wirklich sehr gutes Programm für Fort- und Weiterbildungen – übrigens auch digital. Wir bieten eine Menge Aufstiegschancen. Und nicht zuletzt sollte unsere überschaubare Größe nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir hier eine ganze Menge Spezialisierungen herausgebildet haben, wenn ich nur an die Kardiologie, die Viszeralchirurgie, die Endokrine Chirurgie oder das Wirbelsäulenzentrum denke.   

Mit familiärer Atmosphäre meine ich, dass man sich fach- und berufsübergreifend kennt und nicht nur die Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung. Das gilt übrigens auch nicht selten für unsere Patientinnen und Patienten: Das Amalie liegt in Volksdorf, und Volksdorf ist in positiver Hinsicht tatsächlich ein Dorf geblieben, in dem sich alle kennen, und wir sind als Krankenhaus für Volksdorf und die Walddörfer mittendrin in dieser Lebensgemeinschaft. Wobei natürlich unsere Patienten auch durchaus von weiter her zu uns kommen – so geht unser Einzugsgebiet bis weit nach Schleswig-Holstein hinein.

Unser Teamgeist: Klar, gibt es den auch in anderen Häusern, aber ich finde es schon außergewöhnlich, wie gut wir hier innerhalb der Teams zusammenarbeiten. Hier ist wirklich jede und jeder für die andere und den anderen da. Berufsübergreifend, versteht sich! Das schließt übrigens die Chefärzte und mit ein. Und auch den Geschäftsführer, der regelmäßig an den Pflegeleitungskonferenzen teilnimmt und ein besonderes Ohr für die Anliegen der Pflege hat.

Was ist Ihnen als Pflegedirektorin ein besonderes Anliegen, wofür stehen Sie?

Ich möchte, dass sich nicht nur die Patientinnen und Patienten, sondern auch die Pflegenden im Amalie wohlfühlen und sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Das hängt übrigens eng zusammen: Wer zufrieden ist, der gibt das auch in der täglichen Arbeit weiter.  Ich lege großen Wert darauf, die „Neuen“ am Monatsanfang in Form eines gemeinsamen Frühstücks zu begrüßen. Da lernen wir uns auch als Mensch näher kennen. Danach führe ich die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchs Haus und zeige ihnen alle Bereiche und ihren zukünftigen Arbeitsplatz. Am zweiten Tag geht das das Einarbeitungsprogramm los, das sich über vier Monate erstreckt und natürlich auch Feedback-Gespräche beinhaltet.

Wichtig ist mir, dass die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch frühzeitig wissen, an welchen Stellen sie von uns zusätzlich unterstützt werden: Zum Beispiel durch einen Familienservice, der bei familiären Notlagen wie „Kita dicht“, „Kindkrank“, „Pflege von Angehörigen“ oder Lebenskrisen Hilfe vermittelt. Durch unseren Pflegepool, der kurzfristige Ausfälle von Kolleginnen und Kollegen kompensieren hilft. Oder durch eine im Haus beschäftigte Kinaesthetics-Trainerin, die die Pflegenden darin anleitet, ihre Bewegungen schonend für sich und die Patienten durchzuführen. Ein schönes Angebot sind auch die Yoga-Kurse für Mitarbeitende, die durch die Stiftung Zukunft Evangelisches Amalie Sieveking Krankenhaus in den Walddörfern ermöglicht werden. Wir können durch Kooperationen mit örtlichen Anbietern auch Vergünstigungen beim Besuch eines Fitnessstudios anbieten. Beiträge zu einer zusätzlichen Altersversorgung, Zuzahlungen zum HVV-Profiticket oder ein kostenloser Parkplatz sind ebenfalls Teil unseres Angebotes. Wir haben übrigens einen eigenen Tarifvertrag, der sich an die tariflichen Reglungen unserer großen Wettbewerber anlehnt. 

Vor allem aber gilt: Ich sehe mich als Pflegedirektorin als Teil des Teams. Meine Tür ist immer offen, ich bin da und möchte angesprochen werden, wenn es irgendwo mal Probleme geben sollte.

Würden Sie jungen Menschen heute noch empfehlen, den Pflegeberuf zu erlernen?

Unbedingt, gerade heute! Es ist ein enorm vielseitiger Beruf, in dem man sich in viele Richtungen spezialisieren kann. Allein im Krankenhaus gibt es jede Menge unterschiedliche Einsatzgebiete, wenn ich etwa an die Station oder die Notfallmedizin, den OP, die Intensivmedizin, die Geriatrie, die Palliativmedizin oder die Arbeit mit Neugeborenen denke. Pflege ist eine spannende und lohnenswerte Aufgabe, gerade auch, weil man so viel mit Menschen zu tun hat. Das gilt für die uns anvertrauten Patientinnen und Patienten, aber natürlich auch für die Kolleginnen und Kollegen in den Teams. Außerdem dürfte sich herumgesprochen haben, dass es kaum einen so zukunftssicheren Beruf gibt wie den der Pflege.

Ich habe es persönlich nie bereut, den Pflegeberuf gewählt zu haben. Die Zusammenarbeit im Team war immer und ist für mich bis heute wichtig, insbesondere auch die Zusammenarbeit mit den jungen Pflegenden, die neue Ideen mit einbringen. Ja, es stimmt, der Beruf verlangt einem so manches ab, aber ich habe das Gefühl, man bekommt durch die empfangene Dankbarkeit unserer Patientinnen und Patienten so viel mehr zurück!

Maike Sellentin

Geboren in Hamburg, Ausbildung zur Krankenschwester und erste Berufserfahrung im damaligen AK Eilbek. 1987 – 1993 Krankenschwester in der Schweiz. Seit 1989 Stationsleitung in verschiedenen Fachbereichen, 1990 Weiterbildung zur Stationsleitung an der Kaderschule für Krankenpflege in Aarau / Schweiz. 1996 Abteilungsleitung, 2004 stellv. Pflegedienstleitung im Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus, 2009 – 2011 berufsbegleitendes Studium Business Administration an der Steinbeis-Hochschule Berlin. Seit 2010 Pflegedirektorin im Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus.