Als Obstipation oder Verstopfung wird eine erschwerte und zu seltene (weniger als dreimal wöchentliche) Darmentleerung bezeichnet. Etwa 20 % der Deutschen leiden zumindest gelegentlich unter Verstopfung, bei ¾ der Betroffenen handelt es sich um Frauen. Vielfach quälen sich die Betroffenen über Jahre, ohne zu wissen, dass es eine Vielzahl an Behandlungsmethoden gibt. Auch bei der Verstopfung gilt es, die Ursache(n) zu finden, um ein spezielles Therapiekonzept zu entwickeln.

Ursachen

Ursachen können mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Fehlernährung, Stoffwechselstörungen bzw.  Störungen des Elektrolythaushaltes (häufig Kaliummangel) sein, geringe körperliche Bewegung wirkt dabei begünstigend. Häufiger spielen aber krankhafte Veränderungen des Darmes eine Rolle. Auch beim Reizdarmsyndrom oder aufgrund von Verwachsungen nach Operationen im Bauchraum kann es zu Verstopfung kommen.

Formen der Obstipation

Akute Obstipation: Die plötzlich einsetzende Verstopfung kommt selten vor und sollte abgeklärt werden, bei heftigen Schmerzen oder Erbrechen kann es sich um einen Darmverschluss handeln, der umgehend in der Klinik behandelt werden muss.

Chronische Obstipation: Von chronischer Obstipation spricht man, wenn eine Verstopfungssymptomatik über einen längeren Zeitraum besteht. Die Meinungen über die Häufigkeit des Stuhlganges sind sehr subjektiv, objektiviert wurde die Symptomatik durch die Einführung der Rom-Kriterien: Innerhalb der letzten zwölf Monate müssen in drei Monaten mindestens zwei oder mehr der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Pressen zur Stuhlentleerung (bei mindestens 25 % der Defäkationen)
  • harter Stuhlgang (bei mindestens 25 % der Defäkationen)
  • Gefühl der unvollständigen Entleerung (bei mindestens 25 % der Defäkationen)
  • Gefühl der anorektalen Blockierung 1 bei mindestens 25 % der Defäkationen)
  • manuelle Unterstützung der Stuhlentleerungen (bei mindestens 25% der Entleerungen)
  • Weniger als 3 Stuhlentleerungen pro Woche

Entsprechend ihrer Ursachen wird die chronische Verstopfung in drei Gruppen eingeteilt, die slow-transit-Obstipation, die anorektale Obstipation (Entleerungsstörung) und die idiopathische Obstipation, bei der keine eindeutige körperliche Ursache gefunden wird.

Slow-transit-Obstipation: Die slow-transit-Obstipation ist eine Form der chronischen Verstopfung, bei der durch mangelnde Beweglichkeit des Darms der Darminhalt nur langsam vorwärts bewegt wird. Da dem Darminhalt ständig Wasser entzogen wird, entsteht harter Stuhl. Die Ausscheidung kann dadurch um Tage bis zu zwei Wochen verzögert sein. Folgende Ursachen können dafür verantwortlich sein:

  • ballaststoffarme Ernährung
  • neurologische Erkrankungen (Multiple Sklerose, Morbus Parkinson)
  • Diabetes mellitus
  • muskuläre Störungen und Bindegewebserkrankungen
  • hormonelle Einflüsse, z. B. bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Megakolon (angeborenes überlanges Colon > 1,5 m), Dysganglionose
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Mittel gegen psychische Erkrankungen (Psychopharmaka), Schlafmittel, Beruhigungsmittel, aluminiumhaltige Magensäurebinder (Aluminiumsulfat), Opiate (z. B. Morphin), Eisenpräparate, entwässernde Medikamente (Diuretika), Antihypertensiva, Antiparkinsonmedikamente, Antiepileptika, Anticholinergika (bei Harninkontinenz)

Anorektale Obstipation (Entleerungsstörung): Die anorektale Obstipation (auch ODS, Obstruktives Defäkationssyndrom) ist eine Form der chronischen Verstopfung, die auf Veränderungen oder Störungen im Bereich des Enddarms und des Afters zurückgeführt wird. Zu den Ursachen zählen:

  • Aussackung des Enddarms (Rektozele) häufig in Verbindung mit einem inneren Darmvorfall (Intussuszeption)
  • Äußerer Darmvorfall (Schleimhaut-Analprolaps, vollständige Darmwandanteile-Rektumprolaps)
  • Verengung des Afters (Analstenose), Verdickung des inneren Schließmuskeln 
  • Gestörte Motorik von Enddarm, After, Beckenboden, Schließmuskeln
  • Verminderte Rektumsensibilität

Idiopathische Obstipation: Bei der idiopathischen Obstipation kann keinerlei krankhafte Veränderungen der Darmfunktion oder der Darmanatomie ärztlich festgestellt werden. Diese Verstopfung ist häufig zu finden. Ursachen sind:

  • willkürlich unterdrückter Stuhldrang
  • Stressfaktoren
  • Reizdarmsyndrom (bei schmerzhafter Obstipation)

Therapie

Um eine wirkungsvolle Therapie einzuleiten, werden die Ursachen bzw. begünstigenden Faktoren ausgeschaltet. Zunächst sollte in den meisten Fällen mit einer Ernährungsumstellung in Verbindung mit körperlichen Aktivitäten begonnen werden. Eine medikamentöse Therapie oder Biofeedback-Therapie kann unterstützend eingeleitet werden. „Mechanische Störfaktoren“ werden zumeist mit einer Operation beseitigt, wobei hier Operationen im Bauch, die zumeist minimal-invasivin Schlüssellochtechnik durchgeführt werden von den transanal durchgeführten Operationen unterschieden werden. Ziel ist es, die „normale“ Anatomie und die gewohnte Funktionalität wiederherzustellen.
Therapieverfahren bei Obstipation/Entleerungsstörung:
Konservativ:

  • Ernährungsumstellung, Flohsamenschalen
  • Medikamentöse Therapie, medikamentöse Abführhilfen
  • Beckenbodentraining                               
  • Biofeedback / Elektrostimulation

Operativ:

  • S.T.A.R.R.-OP bzw. Transtar-OP bei Rektozele / Intussuszeption (staplergestützte transanale Entfernung von Darmanteilen)
  • Transtar-Operation bei Rektumprolaps (Darmvorfall)
  • Minimal-invasive Sigmaresektion / Minimal-invasive ventrale Rektopexie
  • Minimal-invasive Dickdarm-(teil-)entfernung
  • in speziellen Fällen Sakralnervenstimulation (Interstim®-Schrittmacher-Implantation)