Stuhlinkontinenz ist die Unfähigkeit, den Stuhlgang oder abgehende Winde willkürlich zurückzuhalten. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen, kommt aber häufiger bei älteren Menschen vor. Die Stuhlinkontinenz ist gar nicht so selten, es leiden darunter etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung, in der Bundesrepublik Deutschland sind das über 800.000 erkrankte Personen.

Eine gängige und praktikable Form der Schweregradeinteilung ist die nach Parks:

  • Grad 1: Leichte Form: Unkontrollierter Abgang von Winden
  • Grad 2: Mittlere Form: Unkontrollierter Abgang von dünnflüssigem Stuhl
  • Grad 3: Schwere Form: Unkontrollierter Abgang von geformtem Stuhl

Aufgrund von Schamgefühlen wird ungern darüber geredet, aus Unwissenheit diese Erkrankung häufig gar nicht behandelt. Es gibt inzwischen eine Reihe von Behandlungskonzepten, die je nach Ursache der Inkontinenz zum Einsatz kommen und in der Mehrheit der Fälle dem Leiden ein Ende setzen.

Die Ursachen einer Stuhlinkontinenz können vielfältig sein, häufig treffen mehrere Faktoren zusammen, erst dann wird meist eine Stuhlinkontinenz manifest. Wenn nur einer der Mechanismen zur Stuhlregulierung ausfällt, so wird das in der Regel durch sogenannte Kompensations-mechanismen wieder ausgeglichen.

Folgende Ursachen können eine Stuhlinkontinenz auslösen:

  • Störung Empfindung: z.B. Tumoren, Darmvorfall, nach OP, Entzündungen
  • Muskelschäden: z.B. nach Dammriß, nach OP, Verletzung, Beckenbodensenkung
  • Nervenschäden: z.B. Querschnitt, MS, Überdehnung Beckenbodennerven
  • Störung der Reservoirfunktion: z.B. Entzündungen, nach OP, Tumor, Darmvorfall
  • Medikamente
  • Psychische Störungen
  • idiopathisch

Diagnostik

Um die Ursache(n) der Stuhlinkontinenz zu finden und ein darauf abgestimmtes Therapiekonzept zu entwickeln, wird im Vorfeld eine umfangreiche Diagnostik durchgeführt:

  • Ausführliches Anamnesegespräch, Erhebung des Kontinenz-Scores
  • Klinische Untersuchung des Enddarms und Beckenbodens
  • Rektoskopie/Proktoskopie (Spiegelung des Enddarms)
  • 3D-Endosonographie des Schließmuskels/Beckenbodens
  • ggf. Röntgenuntersuchung (Defäkographie)
  • ggf. Schnittbilddiagnostik (CT, MRT)
  • ggf. Koloskopie (Darmspiegelung)
  • ggf. anale Manometrie
  • ggf. gynäkologische Untersuchung, ggf. mit Urodynamik
  • ggf. neurologische Untersuchung

Therapie

Entsprechend der vorliegenden Befundkonstellation wird ein „maßgeschneidertes“ Behandlungskonzept festgelegt. Finden sich Entzündungen im Darm, werden diese durch Medikamente behandelt. Häufige Ursachen stellen „mechanische“ Störungen dar, die auch „mechanisch“, d.h. mit einer Operation behandelt werden können. Kommt es z.B. nach langjähriger Verstopfung zum Ausbilden einer Stuhlinkontinenz oder zu einer Kombination aus Verstopfung und dann folgenden Inkontinenzepisoden, findet sich häufig ein „zu langer“ Darm, bei dem Knickbildungen, Einstülpungen, oder sogar partielle oder komplette Darmvorfälle vorliegen, die mittels einer Operation beseitigt werden können. Hier unterscheidet man das Verfahren durch den Bauch (minimal-invasive Darmteilentfernung) vom transanalen Vorgehen (transanale Resektion von Hämorrhoiden, Rektozele/Intussuszeption mit STARR-oder Transtar-Operation bzw. Resektion eines Rektumprolapses mit Transtar-Technik). Bei Verletzungen des Schließmuskels durch Unfall oder Entbindung kann bei jungen Patienten der Schließmuskel rekonstruiert werden, liegen diese Schäden jedoch schon Jahrzehnte vor, so ist eine Sphinkterrekonstruktion nicht erfolgsversprechend.

Es gibt jedoch auch Fälle, da findet man keine Ursache für eine Stuhlinkontinenz (idiopathische Inkontinenz), oder aber die vorliegenden Befunde sind noch nicht so ausgeprägt, dass man eine Operation riskieren will. Dann kommt zunächst eine konservative Therapie in Frage, in vielen Fällen kann durch die Einnahme von Flohsamenschalen die Stuhlkonsistenz verbessert werden, darüber hinaus kommen Medikamente wie Loperamid oder Opium-Tropfen zum Einsatz. Wir können desweiteren ein krankengymnastisch geführtes Beckenboden-Training und eine kombinierte Biofeedback- und Elektrostimulationstherapie des Beckenbodens veranlassen.

Als letzte Therapieoption verbleibt die Sakralnervenstimulation (Interstim®-Therapie), bei der über eine Neuromodulation der Sakralnerven die Beckenbodenmuskulatur über einen Schrittmacher stimuliert wird. In einer Testphase werden im Rahmen einer kleinen Operation Stimulationssonden unter Röntgenkontrolle im Bereich des Kreuzbeines eingelegt, über einen externen (äußerlich tragbaren) Schrittmacher kann dann die Stimulation erfolgen und über drei Wochen der Erfolg des Verfahrens getestet werden. Kommt es zu einer Besserung der Stuhlinkontinenz, wird in einer 2 Operation der verbleibende Schrittmacher unter die Haut verpflanzt. Studien haben gezeigt, dass es in etwa 90% der Fälle zu einer Verbesserung der Lebensqualität mit reduzierten oder keinen Inkontinenzepisoden kommt.

Therapieverfahren bei Stuhlinkontinenz

Konservativ:

  • Ernährungsumstellung, Flohsamenschalen
  • Medikamentöse Therapie
  • Beckenbodentraining
  • Biofeedback / Elektrostimulation

Operativ:

  • Plastische Hautkorrektur
  • Sphinkterrekonstruktion
  • Hämorrhoidenresektion / Hämorrhoidepexie nach Longo
  • S.T.A.R.R.-OP bzw. Transtar-OP bei Rektozele / Intussuszeption (staplergestützte transanale Entfernung von Darmanteilen)
  • Transtar-Operation bei Rektumprolaps (Darmvorfall)
  • Minimal-invasive Sigmaresektion / Minimal-invasive ventrale Rektopexie
  • Sakralnervenstimulation (Interstim®-Schrittmacher-Implantation)