Eine auch nur annähernd sinnvolle Stomaversorgung war über lange Zeit nicht möglich, was katastrophale Konsequenzen für die betroffenen Patienten hatte, da eine unzureichende Versorgung zu einer sofortigen Verunreinigung der Kleidung mit entsprechender Geruchsbelästigung führte. In der Folge waren früher Stomaträger schnell sozial vereinsamt.

Dies hat sich glücklicherweise heute aus zwei Gründen geändert. Einerseits hat sich die chirurgische Technik verbessert und andererseits gibt es heute eine Vielzahl von verschiedenen Beutelsystemen, mit deren Hilfe alle verschiedenen Formen der künstlichen Darmausgänge versorgt werden können.


Die Entwicklung der modernen Stomaversorgung geht im Wesentlichen auf zwei Personen zurück. Zum einen auf die dänische Krankenschwester Elise Sørensen (1903-1977). Sie erfand einen rundherum dichten Versorungsbeutel als Wegwerfprodukt, der um das Stoma herum geklebt werden kann. Zum anderen auf den amerikanischen Chirurgen Rupert B. Turnbull (1913-1981). Er entwickelte die Technik des "prominenten Stomas" weiter, also eine Stoma, das sich über Hautniveau nach außen stülpt (auch „Nippelstoma“ genannt).


Darüber hinaus entdeckte er zufällig, dass Karaya, ein Naturprodukt aus Indien, welches seinerzeit in Pulverform als Klebstoff für Zahnprothesen verwendet wurde, sich hervorragend zur Stomaversorgung eignet, da es neben einer hohen Klebkraft auch größere Mengen Flüssigkeit aufzunehmen vermag.


Bei der chirurgischen Technik kommt es im Besonderen darauf an, dass das Stoma richtig angelegt wird. Ein Stoma muss immer vor einer anstehenden Dickdarmoperation auf dem Bauch gekennzeichnet werden. Liegt der Patient bei der Operation in Narkose auf dem Rücken, lässt sich nicht mehr erkennen, wo der beste Platz für ein Stoma ist. Die Anlage eines Stomas obliegt einem erfahren Chirurgen. Wird ein Stoma falsch angelegt, kann dies erhebliche, unter Umständen sogar lebenslange Beeinträchtigungen der Lebensqualität zur Folge haben. Ist ein Stoma nicht korrekt angelegt, lässt sich die Haftplatte des Versorgungssystems nicht richtig fixieren. Da insbesondere der Dünndarmstuhl aggressiv ist, führt es bei längerem Kontakt mit der Haut zu Entzündungsreaktionen. Solche Entzündungen der Haut sind nicht nur schmerzhaft.  Sie führen auch dazu, dass die betroffenen Hautareale anfangen zu nässen und dadurch die Stomaplatte nicht mehr auf der Haut haftet. Mit all den entsprechenden physischen und psychischen Konsequenzen.


Alle heute verwendeten Stoma-Versorgungssysteme basieren auf folgendem Prinzip: Eine Haftplatte für die Haut mit einem Loch in der Mitte, welches genau entsprechend der Größe des Stomas zurecht geschnitten werden kann und anhängend daran ein Auffangbeutel für das Darmsekret, der entweder fest mit der Haftplatte verbunden ist oder adaptierbar gewechselt werden kann. In Nuancen gibt es natürlich verschiedene Varianten. Dies ist wichtig, um der Individualität eines jeden Patienten gerecht zu werden und für jeden Patienten, auch bei „schwierigen“ Stomata, eine optimale Stomaversorgung anbieten zu können. Die meisten Patienten können heute ihr Stoma selbst versorgen und – bis auf wenige Ausnahmen – an allen privaten und öffentlichen Aktivitäten teilnehmen, so dass eine soziale Isolation aufgrund eines Stoma heutzutage eigentlich nicht mehr vorkommen sollte. Für den Fall, dass es bei der Versorgung zu Problemen kommt, stehen heute spezialisierte Stomatherapeuten zur Verfügung, die nicht nur im Krankenhaus tätig sind, sondern auch ambulante Hausbesuche durchführen. Es gibt für Betroffene auch mehrere Selbsthilfegruppen, wobei die bekannteste die ILCO e.V. (www.ilco.de) mit einer sehr informativen Website ist.