Die moderne Tumortherapie steht heute auf drei Säulen. Die Operation, die Chemotherapie und die Strahlentherapie. Heute werden alle Therapieoptionen nicht konkurrierend sondern synergistisch, also zusammen wirkend eingesetzt. Durch dieses Konzept konnte auch beim GIST in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung der Prognose bis hin zur Heilung erreicht werden. Vor Festlegung der definitiven Therapie werden in unserer Klinik alle Krebspatienten in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen, an der alle Fachabteilungen teilnehmen, die sich mit der Diagnose und Therapie einer Tumorerkrankung beschäftigen.

Die Wahl der Therapieform hängt im Wesentlichen von der Größe des Tumors ab. Bei kleineren Tumoren ist die primäre Therapie chirurgisch. Bezüglich der chirurgischen Therapie gibt es beim GIST eine Besonderheit. Wenn es bei einem GIST zu Tumorabsiedlungen kommt, dann werden die Metastasenzellen über das Blut abgegeben. Bei anderen Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes streuen die Krebszellen meist über die Lymphgefäße. In der Konsequenz müssen dann bei der Operation des GISTs nicht zwangsläufig zusätzlich zum tumortragenden Gewebe auch die umgebenden Lymphknoten mit entfernt werden.


Dadurch wird das Ausmaß der Operation meist deutlich kleiner als bei den „klassischen“ Magen-Darmkrebs-Erkrankungen. Am Beispiel des Magen-GISTs bedeutet dies, dass bei entsprechender Tumorgröße nicht der komplette Magen entfernt werden muss, sondern eine Teilentfernung ausreichend sein kann. Vergleichbar gilt dies auch für GIST-Erkrankungen des Dünn- oder Dickdarms.

Inwieweit nach vollständiger Entfernung eines GISTs noch eine weitere Chemotherapie notwendig ist, hängt wesentlich von dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung des entnommenen Tumors ab. Hierbei werden u.a. die Tumorgröße und die sogenannte Mitoserate bestimmt. Die Mitoserate gibt an, wie schnell sich die Tumorzellen vermehren, d.h. wie aggressiv der Tumor ist. Ist die Mitoserate gering und der GIST kleiner als 5 cm wird keine weitere Therapie empfohlen. Bei größerem Tumor und höherer Mitoserate sowie bei metastasierten GISTs wird eine Chemotherapie empfohlen. Zur Chemotherapie wird beim GIST ein Antikörper, also eine biologisch wirksame Substanz verwendet, welcher sich seit einigen Jahren erfolgreich zur Behandlung des GIST etabliert hat. Der Wirkstoff heißt Imatinib (Handelsname Glivec). Imatinib ist im Vergleich zu den meisten anderen Chemotherapeutika eher nebenwirkungsarm, so dass Imatinib ambulant beim Onkologen oder beim Hausarzt, also nicht im Krankenhaus verabreicht werden kann. Allerdings muss bei einer entsprechenden Risikokonstellation Imatinib bis zu 36 Monate lang gegeben werden. Danach ist die Prognose günstig.


Ist der GIST groß und deswegen nicht zu operieren oder haben sich bereits Metastasen gebildet, ist eine Operation nur bei tumorbegleitenden Komplikationen, wie z.B. eine Verlegung der Magen-Darmpassage oder bei stärkeren Tumorblutungen angezeigt. Wenn keine tumorassoziierten Komplikationen vorliegen, wird beim fortgeschrittenen GIST ebenfalls eine Chemotherapie mit Imatinib durchgeführt oder bei unzureichender Wirkung mit einem weiteren synthetischen Antikörper namens Sunitimab. Schreitet das Tumorwachstum unter der Therapie nicht fort und liegt eine zufriedenstellende Verträglichkeit der Therapie vor, wird die Therapie mit Imatinib oder Sunitimab kontinuierlich fortgeführt. Auch wenn der Tumor unter der Therapie deutlich kleiner wird oder gar nicht mehr nachweisbar ist, darf die Therapie nicht beendet werden, da dem Weglassen nahezu gesetzmäßig ein Rezidiv, also ein Wiederkehren des Tumors, folgt. Dementsprechend geht eine Therapieunterbrechung beim fortgeschrittenen GIST mit einem ungünstigen Verlauf einher.

Eine Strahlentherapie kommt beim GIST nicht in Betracht, da der Tumor nicht strahlensensibel ist.