Die Therapie des Magenkrebses hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Bis 2005 galt in der europäischen Onkologie die alleinige OP als einzig effiziente Therapie. Unzwischen ist klar: Inzwischen ist klar: Bis auf wenige Ausnahmen wird man im noch heilbaren Stadium den größten Erfolg von einer Kombination aus Chemotherapie und OP erwarten dürfen. Einer deutschen Arbeitsgruppe ist der seit 2017 geltende weltweite aktuelle Standard zu verdanken:
Vier Zyklen Chemotherapie gehen der OP voraus. Nach der OP wird versucht, weitere vier Zyklen Chemotherapie zu geben. Grob geschätzt verbessert man dadurch die Heilungsraten um 15% gegenüber der alleinigen OP. Dennoch ist nach wie vor eine Entscheidung im Einzelfall, ob die Verbesserung der Ergebnisse die Nebenwirkungen rechtfertigit. Fast immer lässt sich die Chemotherapie gut ambulant durchführen.

Hochbetagte Patienten, Patienten mit stark blutenden bösartigen Magengeschwüren, und die mit so weit vorgewachsenen Krebsknoten, dass die Nahrung nicht mehr in den Dünndarm gelangen kann, sollten in der Regel unmittelbar ohne vorangehende Chemotherapie operiert werden.


Eine Heilung ohne Operation ist außerhalb der sehr frühen Tumorstadien aber nach wie vor nicht möglich. Die Operationsmethoden sind in den letzten Jahren zunehmend schonender geworden, so dass eine rasche Erholung nach einem so großen Eingriff möglich ist. Wir verfügen über die Kompetenz, minimal invasiv (MIC) über kleine Schnitte kameragestützt den Magen vollständig oder wenn sinnvoll anteilig zu entfernen. Sitzt der Tumor im Übergangsbereich zur Speiseröhre, muss vom Brustkorb aus der untere Anteil der Speiseröhre mit entfernt werden. Früher waren hierfür große verletzende Zugänge am Brustkorb notwendig. Heute ist auch hier ein Verfahren mit Hilfe einer Kamera über kleine, weniger schmerzhafte Zugänge möglich. Seit Anfang des Jahres 2018 steht uns ein Operationsroboter (daVinci) zur Verfügung. Damit sind Operationen mit noch höherer Präzision bei gleichzeitig geringerem Trauma durchführbar.

Grundlage der Entscheidung, welches Vorgehen eingesetzt wird, sind die Ergebnisse der Ausbreitungsdiagnostik („staging“ oder „stadieneinteilende Untersuchungen“), also die Einschätzung von Tumorgröße und Tumorausbreitung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung.

Ist der Tumor sehr klein, d.h. nur auf die eigentliche Schleimhaut begrenzt, kann der Tumor mitunter im Rahmen einer Magenspiegelung endoskopisch abgetragen werden. Danach sind sehr engmaschige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Da zum Zeitpunkt der Diagnosestellung überwiegend fortgeschrittene Tumorstadien vorliegen, kommt diese Therapieform nur selten zur Anwendung.


Wenn der Tumor eben in die Muskelschichten der Magenwand einwächst, aber noch keine Tumorabsiedelung in benachbarte Lymphknoten stattgefunden hat,der Gewinn durch eine vorangehende Chemotherapie gering und man kann gleich operieren. Ist er tiefer eingedrungen oder sind um den Magen herum Lymphknoten nachweisbar,wird zur Kombination von Chemotherapie und Operation geraten.

Finden sich in den Ausbreitungsuntersuchungen bereits Metastasen, wird meist nur bei Komplikationen, wie z.B. Tumorblutung oder Behinderung der Nahrungspassage, operiert. Allerdings mehren sich die wissenschaftlichen Daten, die darauf deuten, dass auch die Patienten länger und besser leben könnten, bei denen trotz Vorliegens von - dann aber nur wenigen - Metastasen eine Kombination von Chemotherapie und Operation angewendet wird.

Wenn eine Operation durchgeführt werden muss, ist meistens die komplette Entfernung des Magens notwendig. In Einzelfällen kann ein kleiner Anteil des Magen belassen werden, wodurch sich die Lebensqualität nach der Operation leicht verbessert. Die Entscheidung, ob ein Anteil des Magens belassen werden kann, hängt davon ab, an welcher Stelle des Magens sich der Tumor befindet und von welcher Art er ist. Näheres hierzu wird dem Patienten im ärztlichen Gespräch erläutert. Wichtig ist es, dass bei einer Magenkrebsoperation nicht nur der Magen an sich, sondern auch die Lymphknoten entfernt werden, weil sich Tumorzellen dort absiedeln können. Dieser Operationsschritt ist aufwändig und erfordert viel Erfahrung, weil sich die Lymphknoten nicht nur um den Magen herum befinden, sondern auch unterhalb der Leber, entlang der Bauchspeicheldrüse und im Bereich der Milz.

Nach Entfernung des Magens und der Lymphknoten muss eine Verbindung zwischen Speiseröhre und Dünndarm rekonstruiert werden. Hierfür wird eine Dünndarmschlinge verwendet, die aus dem Unterbauch in den Oberbauch verlagert wird. Die Operation dauert etwa zwei bis drei Stunden. Nach der Operation ist eine Behandlung auf der Intensivstation für zumindest ein bis zwei Tage notwendig.