„Vorsorgen ist besser als Heilen“ – dieser Satz trifft auch und ganz besonders auf den Dickdarmkrebs zu. Das Prinzip der Vorsorge beruht darauf, dass mit einer Dickdarmspiegelung (Koloskopie) die Vorläufer des Dickdarmkrebses nicht nur erkannt, sondern in der gleichen Untersuchung auch entfernt werden können. Die Koloskopie dient somit in erster Linie nicht zur Früherkennung des Dickdarmkrebses sondern sie soll die Häufigkeit des Dickdarmkrebses über die Entfernung der Vorstufen um 60 – 90% verringern. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Vorsorge-Koloskopie in Deutschland für jeden Versicherten ab dem 55. Lebensjahr.

Bei Risikokonstellationen (z.B. Erkrankung eines Blutsverwandten an Dickdarmkrebs) sollte ggf. auch früher koloskopiert werden. Polypen oder bösartige Dickdarmtumore machen in aller Regel keine Symptome, also fühlt man sich nicht unter Druck, aber eine Dickdarmspiegelung gilt nach wie vor als unangenehme Untersuchung – viele Menschen schieben daher den Gang zur Koloskopie Jahre lang vor sich her. Durch moderne Sedierungs- und Untersuchungsverfahren hat sich die Koloskopie in den letzten Jahren aber zu einer komplikationsarmen und für den Patienten gut zu tolerierenden Untersuchung entwickelt.

Vor der Untersuchung findet ein Informations- und Aufklärungsgespräch statt. Am Tag vor der Untersuchung und am Morgen des Untersuchungstages muss eine Abführlösung getrunken werden. Die Untersuchung selber dauert im Schnitt weniger als 30 Minuten und wird überwiegend in einer Sedierung („Schlafspritze“) durchgeführt, so dass der Patient von der Untersuchung selbst nichts mitbekommen muss. Bei 20-30% der Patienten werden kleinere oder größere Adenome (Polypen) gefunden, die mit einer Zange oder einer Schlinge entfernt werden. Die Vorsorgekoloskopie und die Polypenabtragungen werden fast immer ambulant durchgeführt; meist kann der Patient ca. 60 – 90 Minuten nach Beginn der Untersuchung wieder nach Hause gehen.

Im Albertinen-Krankenhaus werden pro Jahr über 4.000 Magen- und Dickdarmspiegelungen durchgeführt, wobei alle interventionellen Möglichkeiten zur Abtragung von Polypen und zur Behandlung von Blutungen zur Verfügung stehen.
Wenngleich die Empfindlichkeit (Sensitivität) der Testverfahren auf Blut im Stuhlgang in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, so zwingt dennoch nichts den etaigen Krebs genau in dem Moment des Stuhltests zu bluten. Trotzdem lassen sich durch wiederholte Tests in regelmäßigen Abständen viele Tumore entdecken und die Sterblichkeitsrate an Krebs senken. Andererseits können auch Hämorrhoiden dieses Blut verursachen. Dennoch kann gleichzeitig ein Dickdarmkrebs vorliegen und man wiegt sich fälschlich in Sicherheit, weil es "ja nur die Hämorrhoiden seien". Wenn Sie also vorher oder nachher einmal Blut im oder am Stuhl gesehen haben, sollten Sie sich eingehender untersuchen lassen.