Chirurgisches Vorgehen

Im Albertinen-Darmzentrum stehen alle modernen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wird die Diagnose Dickdarmkrebs neu gestellt, beruht die Behandlung auf standardisierten Therapiekonzepten („Patientenpfaden“), die auf den so genannten S3-Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft beruhen. S3-Leitlinien sind zusammenfassende Empfehlungen, ausgearbeitet von führenden nationalen und internationalen Wissenschaftlern, die sich dadurch auszeichnen, dass besonders gut erkennbar gemacht wird, welche Empfehlung wie stichhaltig begründet ist. Es sind immerhin viele Vorgehensweisen in der Medizin Erfahrungssache – nur dass Erfahrung auch täuschen kann. Lieber verlassen wir uns auf Ergebnisse gut gemachter wissenschaftlicher Untersuchungen, deren Methodik bestimmten Qualitätskriterien genügt, so dass hochwertige, verlässliche Beweise für eine Aussage vorliegen. Das mit S3 bezeichnete Qualitätsniveau einer Sammlung von Anweisungen ist derzeit das Beste, was Patienten erwarten können. Standardisierung und Bindung an solche Leitlinien stellen sicher, dass stets aktuelle Erkenntnisse umgesetzt werden. Beim Dickdarmkrebs ohne Metastasenbildung erfolgt immer zuerst die Operation. Abhängig vom Tumorstadium wird in bestimmten Konstellationen eine zusätzliche Chemotherapie nachgeschaltet. Die Qualität der Operation stellt neben dem Tumorstadium den wichtigsten Prognosefaktor im Hinblick auf die Heilung der Erkrankung dar: Es ist bewiesen, dass nicht nur irgendwie das Krankenhaus gut sein muss, sondern dass es je nach Person des Chirurgen zu besseren oder schlechteren Langzeiterfolgen kommt. Die Operationen werden im Albertinen-Krankenhaus daher ausschließlich von erfahrenen, speziell ausgebildeten Chirurgen durchgeführt.


Wo immer anwendbar und sinnvoll, wird die Methode der minimal-invasiven Chirurgie (Schlüssellochtechnik) gewählt. Dieses besonders schonende Vorgehen ermöglicht neben kleinen Narben insbesondere eine schnelle Erholung von der Operation. Die Chirurgen im Albertinen-Darmzentrum sind auf solche minimal-invasiven Operationen spezialisiert. Aber auch hier gelten natürlich die grundsätzlichen Kriterien für diese onkologischen Operationen. Der Krebszelle ist es vermutlich egal, ob sie per Schlüssellochtechnik oder konventionell operiert wird. Nur weil es technisch anspruchsvoller ist, darf hier vom Operateur nicht „abgekürzt“ werden.

Seit März 2018 steht uns im Albertinenkrankenhaus ein Roboter-Assistenzsystem (DaVinci X) zur Verfügung, welches wir für verschiedene Operationen einsetzen. Hierbei handelt es sich nicht um einen eigenständig operierenden Roboter, sondern um ein Operationssystem, welches vom Chirurgen aus einer Konsole heraus gesteuert wird. Dieses System bietet neben den generellen Vorteilen der minimalinvasiven Chirurgie eine räumliche (3D), vergrößerte, hochauflösende (Ultra-HD) Bilddarstellung sowie eine untersetzte, vollkommen zitterfreie Bedienung der Instrumente. Hierdurch wird ein hochpräzises Präparieren auch in schwer zugänglichen Körperregionen ermöglicht. Ob das DaVinci-Operationssystem zum Einsatz kommt, richtet sich ausschließlich nach medizinischen Gesichtspunkten, eine Zuzahlung seitens der Patienten für dieses Verfahren ist weder notwendig noch möglich.


Aber auch die besonders große Operation kann angebracht sein: Durch eine sogenannte multiviszerale Resektion (= Mitentfernung von Nachbarorganen) bei sehr weit fortgeschrittenen Dickdarmtumoren kann heute manchmal eine Heilung noch möglich gemacht werden, wo man früher „nur den Bauch wieder zugemacht“ hätte. Das Albertinen-Darmzentrum ist auf solche Eingriffe wie Krebsentfernung unter Einschluss von Harnblase, Gebärmutter, Niere etc. spezialisiert. Sie werden in Zusammenarbeit mit unseren anderen chirurgischen Fachdisziplinen (Urologie, Gynäkologie) durchgeführt. Diese Entwicklung verdanken wir insbesondere auch den gewaltigen Fortschritten in der Anästhesie und Intensivmedizin.

Generell gilt: Krebse, die erst erkannt werden, wenn sie Metastasen in entfernte Organe gestreut haben, sind nur noch in Ausnahmefällen heilbar. Dick- und Enddarmkrebs bilden hier eine gewisse Ausnahme. Ein nennenswerter Teil Betroffener kann nämlich trotz Metastasen in Leber und / oder Lunge noch geheilt werden. Für die schonende chirurgische Entfernung von Metastasen aus diesen lebenswichtigen Organen gibt es inzwischen Standardverfahren.