Am Beginn der Hodentumortherapie steht grundsätzlich die Behandlung des Primärtumors. Nach Sicherung des pathologischen Befundes (Seminom/Nicht-Seminom) Planung der weitergehenden Therapie.
Die operative Entfernung des Hodentumors ist keine Notfalloperation! Der Patient profitiert von einem sorgfältigen, geplanten Vorgehen.

Vor Therapiebeginn ist ein bestehender Kinderwunsch zu erfragen, da durch die Therapie Beeinträchtigungen der Fertilität entstehen. Für die Patienten besteht die Möglichkeit einer Kryokonservierung von Spermien (Aufbewahren von Spermien durch Einfrieren in flüssigem Stickstoff).

    Ausnahme: bei weit fortgeschrittenen, metastasierten Hodentumoren mit schweren systemischen Auswirkungen (wie z.B. Atemnot bei Lungenmetastasen) wird die Diagnose klinisch gestellt (Tastbefund, Tumormarker, CT Befund) und es muss eine sofortige Chemotherapie erfolgen. Die Entfernung des Primärtumors erfolgt dann verzögert.

      Operative Primärtherapie

      Inguinale Ablatio testis: Entfernung des tumortragenden Hodens über einen Leistenschnitt inklusive eines Teils des Samenstranges. Es besteht die Möglichkeit einer Hodenprotheseneinlage, dies wird vor der Operation mit dem Patienten besprochen.

      Organerhaltende Tumorresektion: Angezeigt nur bei Einzelhoden oder bei erkennbaren gutartigen Tumoren.

      Kontralaterale Biopsie: Im Rahmen der Hodenentfernung erfolgt die Entnahme von Proben aus dem gesunden Hoden über einen separaten kleinen Schnitt, Untersuchung der Proben auf Tumorvorläuferzellen (TIN).

        Weitere Therapie

        Anhand des pathologischen Befundes (Seminom/Nicht-Seminoms, Ausbreitung des Tumors innerhalb des Hodens), der radiologischen Befunde (Metastasen ja/nein/wo und wie groß) sowie der Tumormarker erfolgt die Einteilung in das Tumor- und Prognosestadium.

        Abhängig von diesen Stadien wird die weitere Therapie für jeden Patienten individuell geplant, wobei die europäischen Leitlinien als Grundlage dienen.

          Diese kann umfassen:

          • Überwachungsstrategie mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen (z.B. bei Seminom, CS I, fehlende Gefäßinvasion des Tumors)
          • Chemotherapie (Einfache Carboplatin-Chemotherapie oder Medikamentenkombinationen) 
          • Strahlentherapie (nur sehr selten erforderlich)
          • Operative Entfernung von Lymphknoten aus dem Bauchraum
          • Bei fortgeschrittenen Stadien Kombination mehrerer Therapiearten