Der Krebs des oberen Harntraktes entwickelt sich wie der Blasenkrebs aus der inneren Schicht des Nierenbeckens und des Harnleiters. Diese Innenschicht wird als „Übergangsepithel“ oder „Urothel“ bezeichnet und daher trägt die Erkrankung den Namen „Urothelkarzinom“. Die Blase weist die gleiche Innenbeschichtung auf. Auch der Blasenkrebs ist daher ein Urothelkarzinom. Dieser Karzinomtyp ist nach dem Prostatakarzinom der zweithäufigste Tumor des Urogenitaltraktes. Von allen Urothelkarzinomen (Blase, Harnleiter und Nierenbecken) betreffen nur etwa 5 bis 7 % den oberen Harntrakt, da dieser im Vergleich zur Blase einen sehr viel kleineren Anteil der Oberfläche des Harntraktes ausmacht. Das Nierenbecken ist dabei dreimal häufiger betroffen als der Harnleiter.


Die Erkrankung tritt nur selten vor dem 50. Lebensjahr auf, der Häufigkeitsgipfel liegt bei etwa 60 Jahren. In Deutschland gibt es jährlich etwa 0,6 bis 1,1 Neuerkrankungen pro 100.000 Personen. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Jedoch steigt in den letzten Jahren die Anzahl der betroffenen Frauen stetig an, so dass das Verhältnis in einigen Jahren vermutlich ausgeglichen sein wird.


Risikofaktoren

Die Risikofaktoren für die Entwicklung eines Urothelkarzinoms im oberen Harntrakt sind identisch mit denen des Blasenkrebses:

  • Rauchen erhöht das Erkrankungsrisiko um das 3- bis 4-fache
  • in einigen Fällen ist das Urothelkarzinom eine anerkannte Berufserkrankung (Farbindustrie, KFZ-Mechaniker, Textilindustrie, Friseure u.v.m.)
  • Medikamente z.B. Phenacetin (in Deutschland seit 1986 verboten)
  • Ionisierende Strahlung, genetische Faktoren 

Feingeweblicher Aufbau und natürlicher Verlauf der Erkrankung

Das feingewebliche Erscheinungsbild ähnelt dem des Blasenkrebses, jedoch kommt es beim Harnleiter- und Nierenbeckenkrebs deutlich früher zu einem Einwachsen in tiefere Wandschichten. Aus diesem Grund hat das Urothelkarzinom des oberen Harntraktes im Vergleich zum Blasenkarzinom eine deutlich schnellere Tendenz, sich im Gewebe auszubreiten und Tochtergeschwülste („Metastasen“) zu bilden.

Bleibt der Krebs ohne Therapie, so durchbricht er schließlich alle Wandschichten und wächst „organüberschreitend“ in das umgebende Gewebe und Nachbarstrukturen ein.


Die Ausbreitung des Nierenbecken- und Harnleiterkrebses (Metastasierung) erfolgt zunächst über die Lymphwege. Je nach Lokalisation des Tumors sind die Lymphknoten neben den großen Bauchgefäßen (Aorta und Vena cava) oder die Lymphknoten im Becken (iliakal) betroffen. Später erfolgt dann eine weitere Ausbreitung über den „Blutweg.“ In diesem Fall können Tochtergeschwulste vor allem in der Lunge, der Leber, dem Skelettsystem oder den Nebennieren auftreten.