Die Diagnose Parkinson ist für Betroffene und Angehörige in vielen Fällen mit großen Ängsten verbunden. Vor allem die Angst vor einem bevorstehenden körperlichen und womöglich auch geistigen Verfall trägt zur Verunsicherung bei.

Parkinson – was nun?

Zunächst gilt es für die Betroffenen, eine Anlaufstelle für eine kompetente Beratung und eine professionelle Untersuchung zu bekommen. In vielen Fällen kann der spezialisierte Neurologe den Verdacht auf Parkinson gar nicht bestätigen – andere Erkrankungen können zunächst wie Parkinson aussehen. Wird die Diagnose Parkinson aber bestätigt, steht die Frage nach einer sinnvollen und modernen Behandlung im Vordergrund. 
Die Klinik für Neurologie des Albertinen-Krankenhauses verfügt über große Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Parkinsonerkrankungen. Dabei ist es unser Anspruch, unsere Patientinnen und Patienten nicht nur nach neuesten medizinischen und pflegerischen Standards zu behandeln, sondern auch den Betroffenen mit Respekt und mit menschlicher Zuwendung zu begegnen. Den Patienten und Angehörigen steht unser kompetentes Team von Ärzten, Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern und Seelsorgern sehr gerne zur Verfügung. 
Die folgenden Abschnitte sollen Ihnen helfen, sich über Parkinson zu informieren und Ihre ersten Fragen zu beantworten.

Was ist Parkinson?

Bei der klassischen Parkinson-Erkrankung kommt es zum Untergang von Gehirnzellen, die normalerweise Dopamin produzieren. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Gehirn, der als „Schmiermittel“ für zügige und flüssige Bewegungen unverzichtbar ist. Fehlt dieser, kommt zunehmend „Sand ins Getriebe“: Die Betroffenen werden steifer, unbeweglicher und können feinmotorische Handlungen wie Knöpfen und Schreiben immer schlechter durchführen. Auch das Gehen ist betroffen, da für ein normales Gangbild alle Beinmuskeln in ihrer Bewegung und Gegenbewegung fein aufeinander abgestimmt sein müssen – und dies funktioniert beim Parkinson nicht mehr richtig. Das Gangbild wird kleinschrittig und „schlurfend“, plötzliche Richtungswechsel oder die Passage z.B. enger Türen bereitet zunehmend Probleme.

Wie fängt es an? Wann soll ich den Arzt ansprechen?

Typischerweise ist anfangs nur eine Körperseite betroffen. Ein regelmäßiges Zittern der (ruhenden) Hand kann neben anderen Begleitsymptomen hinzukommen oder kann gerade zu Beginn der Erkrankung auch das einzige Symptom sein. Man spricht daher auch von „Schüttellähmung“. Weitere Symptome können sein eine niedergedrückte Stimmung, Verstopfungsneigung, wiederholt niedrige Blutdruckwerte mit möglicherweise Kreislaufkollaps und Verlust der Riechfähigkeit. 
Sehr häufig sind die ersten Ärzte, die aufgesucht werden, Orthopäden: weil die Gelenke auf der betroffenen Seite schmerzen. Es folgt meist eine viel zu lange Zeit, in der nicht die wahre Ursache behandelt werden kann…
Der sinnvollste erste Schritt ist der Gang zum Hausarzt, dem alle Auffälligkeiten geschildert werden und der ggf. den Verdacht auf Parkinson stellt. In diesem Fall wird der Hausarzt sicherlich eine Überweisung zum Neurologen bzw. eine Einweisung in eine Klinik für Neurologie zur weiteren Abklärung und Behandlung veranlassen.
In welchem Alter tritt die Erkrankung auf? Wie häufig ist Parkinson überhaupt?
In den meisten Fällen ist die oder der Betroffene 60 Jahre oder älter, vereinzelt kann es aber auch schon im mittleren Lebensalter oder sogar in der Jugend zu dieser Erkrankung kommen. Das Risiko steigt mit wachsendem Lebensalter. Insgesamt ist die Parkinsonerkrankung gar nicht so häufig, kommt aber durch die Altersgebundenheit mit der alternden Gesellschaft immer häufiger vor. Aktuell sind etwa 1-2% der Bevölkerung über 65 Jahre an Parkinson erkrankt. Die Zahl der Betroffenen wird sich bis Mitte der Jahrhunderts voraussichtlich fast verdoppeln.  

Wodurch entsteht Parkinson?

Nur ein geringer Teil der Parkinsonerkrankungen ist durch Umweltfaktoren beeinflusst oder genetisch bedingt. Beim Großteil der Patientinnen und Patienten kann auch nach intensiver Suche keine Krankheitsursache festgestellt werden – der Entstehungsmechanismus bei dieser Form der Parkinsonerkrankung ist noch nicht geklärt.

Warum Krankenhausaufenthalt mit Parkinson?

An erster Stelle steht hier die klinische Beurteilung, Beobachtung und Abgrenzung gegen andere, sich ähnlich darstellende Bewegungsstörungen durch den erfahrenen Arzt. Hierfür bietet sich eine stationäre Aufnahme auf einer Neurologischen Allgemeinstation von ca. einer Woche Dauer an, denn nur so kann der Betroffene gründlich und im zeitlichen Verlauf beobachtet und in einem zweiten Schritt notwendige Untersuchungen zeitnah zugeführt werden. Dies wird im ambulanten Bereich zunehmend schwieriger.
Die Klinik für Neurologie im Albertinen-Krankenhaus bietet ihren Patientinnen und Patienten einen individuell geplanten, strukturierten Untersuchungsablauf mit allen notwendigen modernen Untersuchungen und ggf. ersten Therapieversuchen nach neuesten wissenschaftlichen und medizinischen Standards. Sie erhalten einen Aufnahmetermin und können sich zwischen den vorher mit Ihnen abgesprochenen Untersuchungs- und Gesprächs- und Beobachtungszeiten „frei bewegen“ – Sie müssen sich nicht den ganzen Tag im Zimmer aufhalten oder gar ins Bett legen!

Welche Untersuchungen kommen auf mich zu?

In den meisten Fällen ist eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie des Kopfes sinnvoll, um mögliche Ursachen (z.B. Schlaganfallnarben, Tumoren o.a.) festzustellen bzw. auszuschließen. Herz-Kreislaufuntersuchungen werden durchgeführt, um eine evtl. bereits bestehende Kreislaufregulationsstörung im Falle einer Beteiligung des sog. autonomen Nervensystems aufzudecken, die häufig im fortgeschrittenen Stadium auftritt. 
Bestehen Zweifel, ob es sich um das klassische Bild einer Parkinsonerkrankung handelt (bei zusätzlichen untypischen Auffälligkeiten wie gehäufte Stürze gleich zu Beginn) bzw. wenn die klassische Unbeweglichkeit noch nicht ausgeprägt ist (sog. prämotorische Phase), kann es sinnvoll sein, eine sog. SPECT-Untersuchung durchzuführen. Mit Hilfe dieser Untersuchung wird mit schwach radioaktiven Markern sichtbar gemacht, ob ein Dopaminmangel besteht, wie weit dieser fortgeschritten ist und ob dieser charakteristischerweise asymmetrisch ist. 
Die Verabreichung eines dopaminverwandten Wirkstoffes kann ebenfalls zur Diagnosefindung genutzt werden: Verbessert sich hierunter die Beweglichkeit, ist dies ein hilfreicher Hinweis.

Wie geht es dann weiter?

Oft ist eine exakte Diagnose erst im Laufe der Zeit zu stellen. Es ist wichtig, durch die fundierte Verlaufsbeobachtung durch den erfahrenen Neurologen andere, Parkinson-ähnliche Erkrankungen zu identifizieren oder auszuschließen.
Grundsätzlich heißt das, dass wir Ihren weiteren Verlauf verfolgen und „im Blick haben“. Auf welche Weise dies geschieht, wird individuell mit Ihnen abgesprochen: Es kann nach einigen Monaten eine erneute stationäre Aufnahme besprochen werden oder aber wir binden Sie an einen kompetenten niedergelassenen Neurologen an und vereinbaren ggf. gleich einen Termin. Es gibt hier ganz viele Möglichkeiten und welche die beste ist, lässt sich immer nur im Einzelfall entscheiden. 
Für den Betroffenen und deren Angehörige ist es wichtig, eine kontinuierliche kompetente Begleitung zu erhalten, die von Anfang an neben der medizinischen Betreuung durch den Neurologen auch Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und ggf. den Sozialdienst mit einschließen. Alle diese Bereiche sind Teil unseres eng zusammenarbeitenden multiprofessionellen Teams der Neurologie im Albertinen vorhanden, das sich um die Bedürfnisse und Sorgen jedes Einzelnen kümmert.

Wie verläuft die Parkinson-Erkrankung?

Die Parkinson-Erkrankung ist eine chronische, d.h. mit den Jahren fortschreitende degenerative Erkrankung, die in der Regel über Jahrzehnte verläuft. Durch immer zahlreichere Therapiemöglichkeiten und eine optimale Betreuung ist man heute in der Lage, den Progress deutlich zu verzögern und die einschränkenden Symptome zu lindern.
Da sich mit zunehmendem Schweregrad weitere Probleme ergeben, wird die bereits oben erwähnte ganzheitlich medizinisch-therapeutische Betreuung im Verlauf immer wichtiger: Durch die Starre der Gesichtsmuskeln kommt es z.B. nicht nur zu der auffallenden mimischen Starre, sondern es kann auch zu Schluckstörungen kommen. Hierdurch kann in einigen Fällen auch die Nahrungsaufnahme zunehmend schwieriger werden. Eine qualifizierte logopädische Behandlung bietet hier sehr wertvolle Ansätze für die Verbesserung der Schluckfunktion, aber auch der Stimmmodulation. Durch spezielle physio- und ergotherapeutische Behandlungen können im Alltag wichtige Fertigkeiten gezielt verbessert und langfristige Sekundärschäden vermieden werden.

Wie wird Parkinson behandelt?

Nach heutiger Lehrmeinung sollten Parkinson-Patienten so früh wie möglich entsprechend ihrer individuellen Symptome medikamentös behandelt werden. Häufig werden zu Beginn Medikamente eingesetzt, die die Funktion des unzureichend vorhandenen Botenstoffs Dopamin im Gehirn ersetzen (sog. Dopaminagonisten). Bei vielen Patienten reichen geringe Dosen dieser Dopaminagonisten aus, die Beschwerden über einen langen Zeitraum zufriedenstellend zu reduzieren. 
In anderen Fällen wird ein Vorläuferstoff des Dopamin (sog. Levo-Dopa) eingesetzt – eine sehr wirksame und meist gut verträgliche Substanz, die über lange Sicht aber an Wirkung verliert und langfristig unerwünschte Begleitphänomene hervorrufen kann. Bei Fortschreiten der Erkrankung gibt es heute eine große Anzahl an Medikamenten mit verschiedensten Wirkmechanismen, so dass ein auf jeden Patienten individuell abgestimmter Therapieplan erstellt werden kann.