Die Nebenschilddrüsen sind in der Regel vier wenige Millimeter große Drüsen, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft direkt hinter der Schilddrüse befinden. Sie produzieren ein Hormon, das sog. „Parathormon“, welches den Calciumspiegel im Blut reguliert. Calcium wiederum ist entscheidend für den Knochenaufbau und die normale Nerven- und Muskelfunktion.

Die häufigste Erkrankung der Nebenschilddrüsen ist eine Überfunktion durch eine gutartige Wucherung meist nur einer Nebenschilddrüse (Nebenschilddrüsenadenom), wodurch es zu einer überschießenden Bildung des Parathormons kommt. Der bei diesem sog. „Primären Hyperparathyreoidismus“ deutlich erhöhte Calciumspiegel im Blut kann zu einer Vielfalt von Symptomen und Krankheiten führen:

  • Nieren- und Gallensteinen
  • Magengeschwüre
  • Muskel- und Knochenschmerzen
  • Müdigkeit und Konzentrationsschwäche
  • Depressionen
  • Juckreiz

Da diese Symptome jedoch wenig wegweisend sind, wird die Erkrankung heute oftmals durch eine festgestellte Calciumerhöhung im Blut (Hypercalciämie) im Rahmen einer Routineuntersuchung beim Hausarzt bemerkt.

Diagnostik

Bei dem Verdacht auf eine Nebenschilddrüsenerkrankung sind in der Regel zwei Untersuchungen erforderlich:

Ultraschall der Halsregion (Sonographie)

Hierdurch lässt sich in vielen Fällen, aber nicht immer sicher, die vergrößerte Nebenschilddrüse darstellen und zudem die Schilddrüse mitbeurteilen.

Laboruntersuchung

In einer Blutentnahme werden das Parathormon, das Calcium und der Phosphatspiegel bestimmt. Ist das Parathormon und der Calciumspiegel erhöht, ist die Diagnose eines „primären Hyperparathyreoidismus“ gesichert.

Nur in Ausnahmefällen sind weitere Untersuchungen wie eine Kernspintomographie oder eine spezielle Nebenschilddrüsen-Szintigraphie erforderlich.

Therapie

Bei fehlenden Symptomen und nur gering ausgeprägten Veränderungen der Blutwerte kann zunächst abgewartet und die Blutwerte im Verlauf kontrolliert werden. Ansonsten sollte in der Regel eine Operation durchgeführt und die erkrankte Nebenschilddrüse entfernt werden. Diese Operation kann minimal-invasiv über einen ca. 2 cm großen Schnitt erfolgen. Voraussetzung hierfür ist die genaue Lokalisation der erkrankten Nebenschilddrüse (im Ultraschall) sowie eine gesunde, knotenfreie Schilddrüse. Während der Operation wird durch einen Parathormon-Schnelltest geprüft, ob die Erkrankung durch die Entfernung des Nebenschilddrüsenadenoms geheilt ist.

Nach der Operation

Starke Schmerzen nach der Operation sind nicht zu erwarten. Einige Patienten bedürfen einer Schmerztablette vor dem Einschlafen. Schwellungsbedingt können leichtere Schluckstörungen auftreten, trotzdem muss am Abend nach der Operation nicht auf ein normales Essen verzichtet werden. Auch Besuch und ein kleiner Spaziergang sind zu empfehlen. Für den Krankenhausaufenthalt müssen zwei Nächte eingeplant werden. Nach Abklingen der Schmerzen im Wundbereich können Sie sich wieder uneingeschränkt belasten. Die Einschränkung dauert in der Regel eine Woche. Nach dieser Zeit sind Sie auch wieder arbeitsfähig.

Spezifische Nachsorgeuntersuchungen oder eine medikamentöse Therapie sind beim primären Hyperparathyreoidismus nach Entfernung eines  Nebenschilddrüsenadenoms nicht erforderlich.

Sekundärer Hyperparathyreoidmus:

Diese Form der Nebenschilddrüsen-Überfunktion findet sich bei Dialysepatienten. Hierbei kommt es aufgrund einer fehlenden Calciumaufnahme durch die erkrankten Nieren zu einer überschießenden Produktion von Parathormon durch alle Nebenschilddrüsen. Daher sind bei einer Operation auch alle vier Nebenschilddrüsen betroffen. Dies muss in enger Absprache mit den behandelnden Nierenfachärzten (Nephrologen) erfolgen.

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