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28.09.2018 | Albertinen-Haus, Zentrum für Geriatrie u. Gerontologie
Altersmediziner und Gerontologe mit bundesweiter Reputation: Professor Wolfgang von Renteln-Kruse in den Ruhestand verabschiedet

Der bundesweit renommierte Altersmediziner und Gerontologe (Alterswissenschaftler) Prof. Dr. Wolfgang von Renteln-Kruse ist heute im Rahmen einer Feierstunde im Albertinen-Haus – Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Hamburg-Schnelsen in den Ruhestand verabschiedet worden. Der langjährige Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik und Leiter der geriatrischen Forschungsabteilung im Albertinen-Haus war zugleich auch Hamburgs erster Professor für Geriatrie und Gerontologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Zahlreiche Gäste aus medizinischen Einrichtungen, Forschungsinstitutionen, Vertreter von Behörden, Krankenkassen, der Ärzteschaft und Weggefährten waren gekommen, um das beeindruckende Wirken Professor von Renteln-Kruses zu würdigen.

Matthias Scheller, Vorstandsvorsitzender des Albertinen-Diakoniewerks hob in seiner Ansprache die Einheit von Praxis, Forschung und Lehre hervor, die von Renteln-Kruse nahezu idealtypisch verkörpere: „Sie sind ein kompetenter Mediziner, der den Patienten als Ganzes betrachtet und neue Formen der Patientenversorgung realisiert hat. Sie haben immer wieder viel beachtete und für die Praxis höchst relevante Forschungsergebnisse erzielt und nicht zuletzt auch Ihr Wissen als sehr beliebter Hochschullehrer an die Studierenden weitergegeben. Unseren diakonischen Auftrag haben Sie immer sehr ernst genommen.“

Prof. Dr. Cornel Sieber, Chefarzt der Klinik für Allg. Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg sowie Direktor des Instituts für Biomedizin des Alterns an der UniversitätUniversität Erlangen / Nürnberg betonte in seiner Laudatio: “Die Geriatrie brauchte und benötigt weiter Taktgeber. Prof. Wolfgang von Renteln-Kruse hat in Forschung, Lehre und Klinik diese Herausforderung und Aufgabe über Jahrzehnte national und international hoch kompetent und stets verlässlich angenommen und umgesetzt. Er wird der Szene als ‚Maestro des Faches‘ sehr fehlen.“

Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, führte in seinem Grußwort aus: „Das UKE und die Medizinische Fakultät bedanken sich bei Prof. Renteln-Kruse für sein jahrelanges hochkompetentes Engagement im Bereich der Geriatrie. Er hat eine große Gabe diese für die gesundheitliche Versorgung von Menschen so wichtigen Themen unseren Studierenden nahe zu bringen.“

Professor von Renteln-Kruse wurde 2002 in der Nachfolge von Prof. Dr. Hans Peter Meier-Baumgartner als Chefarzt an die Medizinisch-Geriatrische Klinik im Albertinen-Haus berufen. Zuvor hatte er bereits eine Chefarztposition in einer Modellklinik sowie einer geriatrischen Krankenhausabteilung in Nordrhein-Westfalen innegehabt und war 1996 mit dem renommierten Max Bürger Preis der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie ausgezeichnet worden.

Innovative Konzepte in der Geriatrie
Als Chefarzt der Geriatrie stärkte von Renteln-Kruse die Rolle des Albertinen-Hauses als einem bundesweiten Vorreiter in der Altersmedizin durch die Umsetzung innovative Konzepte. So wurde unter seiner Führung eine kognitive und palliative Geriatrie etabliert, ein Zentrum für Alterstraumatologie gemeinsam mit der unfallchirurgischen Klinik im Albertinen-Krankenhaus aufgebaut sowie ein geronto-psychosomatischer Schwerpunkt entwickelt. Eine Geriatrische Institutsambulanz wird in Kürze die Arbeit aufnehmen. 

Vielbeachtete Forschungsergebnisse
Forschungsschwerpunkte von Professor von Renteln-Kruse sind u.a. das funktionale Altern sowie Prävention der Entwicklung von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit, Arzneimitteltherapiesicherheit und Patientensicherheit im Krankenhaus sowie die sektorenübergreifende medizinische Versorgung älterer Patienten. Die interdisziplinäre Verbundstudie LUCAS (Longitudinal Urban Cohort Ageing Study), deren Sprecher Professor von Renteln-Kruse war, ging der Frage nach, wie der Mensch altert. Das vom Bundesministerium für Forschung geförderte Projekt, an dem auch die Stadt Hamburg beteiligt war, brachte umfangreiche Erkenntnisse über den natürlichen Alterungsprozess und ist maßgeblich für die Weiterentwicklung von präventiven, medizinischen und pflegerischen Interventionen. In dem von der EU-Kommission geförderten Nachfolgeprojekt „Mind Map“ zum Altern in europäischen Metropolen ist das Albertinen-Haus der einzige deutsche Projektpartner. Auch die von seinem Vorgänger Professor Meier-Baumgartner und Professor Püschel vom UKE begonnene und mit diesem fortgeführte Arbeit zur Dekubitusprophylaxe sowie Studien zur Sturzprävention bei geriatrischen Patienten im Krankenhaus zeichnen sich durch höchste Praxisrelevanz aus.

Das Projekt NetzWerk GesundAktiv, das aus dem Strukturfonds gefördert und gemeinsam federführend mit der Techniker Krankenkasse durchgeführt wird, verwendet Ergebnisse der LUCAS-Studie, um älteren Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das Pilotprojekt „Hamburger Hausbesuche“ der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz als aufsuchendes Beratungsangebot für Senioren in Eimsbüttel und Harburg nutzt die Expertise des Albertinen-Hauses als Fachstelle.

Engagierter Hochschullehrer
Professor von Renteln-Kruse wurde 2002 der erste Stiftungsprofessor für Geriatrie und Gerontologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Lehre war ihm wichtig, gleich zweimal wurde er von den Studierenden zum „teacher of the year“ gewählt - einen Titel, den auch viele seiner Oberärzte unter seiner Anleitung zum Teil mehrfach errungen haben. Von Renteln-Kruse gelang es binnen kurzer Zeit, mit der Hamburger Geriatrieausbildung im Medizinstudium Maßstäbe zu setzen.

Über die Nachfolge von Professor von Renteln-Kruse als Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik im Albertinen-Haus und Stiftungsprofessor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wird in Kürze entschieden.