Die Vormittagsseminare finden Montag bis Donnerstag jeweils 11.30 bis 13.00 Uhr statt.

Sie können für 190,- € (für das erste Seminar) und 90,- € (für ein weiteres Seminar, wenn Sie z.B. auch schon ein Nachmittags-Seminar gewählt haben) gebucht werden (zzgl. zum Grundbetrag)

Die Teilnehmerzahl je Seminar ist in der Regel auf 12-15 begrenzt.

Für die vollständige Teilnahme erhalten Sie insgesamt 8 Fortbildungspunkte.


V01 Diskussion mit den Vortragenden der Hauptvorträge vom Vormittag

Prof. em. Dr. med. Wolfgang Berner

jetzt in freier Praxis tätig

In der Gruppe werden jeweils von Montag bis Donnerstag die Hauptvorträge gemeinsam mit den Vortragenden und dem Seminarleiter aufgegriffen und diskutiert.
Neben der Klärung und Vertiefung inhaltlicher Fragen, die sich aus dem Hauptvortrag ergeben haben, soll es vor allem die Möglichkeit geben, die Relevanz für die tägliche Praxis zu erörtern und eine Brücke zu klinischen Fragestellungen der Teilnehmer zu schlagen.

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT!! V02 ”Short-cuts“ der Seele Selbstverletzung, Suizidalität und Mentalisierung

Dr. med. Carola Bindt

Stellv. Klinikdirektorin der Kinder- u. Jugendpsychiatrie des UKE Hamburg

Dr. med. Claas Happach

Chefarzt Psychiatrie und Psychotherapie am Bethesda Krankenhaus Bergedorf, Hamburg

Schwere Selbstverletzungen und chronische Suizidalität meist junger Patienten werden als Angriff auf das therapeutische Bündnis erlebt. Sie werfen die Frage nach dem Umgang mit der Gefährdung und nach Techniken auf, die impulsives Verhalten adressieren und emotional handhabbar machen können.
Die Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT) wurde zuerst in der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen erprobt. Im Unterschied zu anderen Verfahren der Verhaltens- oder Tiefenpsychologie liegt ihr Fokus nicht auf Kognitionen oder unbewussten Konflikten, sondern auf der detaillierten Exploration von affektiven Zuständen, die gemeinsam mit dem Therapeuten identifiziert, in ihrer aktuellen Entstehung entschlüsselt und spezifisch reflektiert werden. Der Anwendungsbereich der MBT hat sich u.a. auf Jugendliche und Jungerwachsene mit acting-out, Dissoziation, Selbstverletzung und Suizidalität ausgedehnt (MBT-A nach Fonagy & Rossouw).
Im Kurs werden die Grundlagen selbstschädigenden Agierens aus der MBT-Perspektive referiert und mit Film- und Fallmaterial veranschaulicht. Techniken einer mentalisierungsfördernden Arbeit im Kontext werden erläutert. Fälle der Teilnehmenden sind willkommen!

V03 Die Inszenierung des weiblichen Körpers in der zeitgenössischen Kunst Psychoanalytische Betrachtungen des weiblichen Körpers als Medium

 Dr. med. Dagmar Brandi

Niedergelassene Ärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Psychotherapeutin, Hamburg

Unter Bezugnahme auf die Arbeit von Georges Didi-Hubermann „Die Erfindung der Hysterie“ wird gezeigt wie die Evidenz des Schauspiels in der Charcotschen Klinik „La Salpetrière“ dem jungen Sigmund Freud Anlass bot seine naturwissenschaftlich deduktive Denkweise zu verändern und sich den verschiedenen Gesichtern der Hysterie zuzuwenden. Viele zeitgenössische Künstler setzen sich mit diesen Darstellungen und Inszenierungen der Hysterie auseinander. Texte von Freud, Marcuse und Lacan sowie Überlegungen von Lucien Israel und Matthias Hirsch werden angewandt auf die Betrachtung der grenzüberschreitenden Selbstinszenierung von feministischen Künstlerinnen bei der Erforschung des weiblichen Körpers. Die Tabubrüche als Provokation zu betrachten oder als neurotischen Sublimierungsversuch zu verstehen, bleibt dem Kunstbetrachter häufig überlassen. Wenn Kunst „im Auge des Betrachters“ (frei n. Thukydides) entsteht, können diese Inszenierungen heftige affektive Reaktionen auslösen.

V04 Der Körper als Austragungsort? Von Geschlechtsdysphorie, queeren Identitäten und körperdysmorphen Symptomen

Dipl. Psych. Saskia Fahrenkrug

Leiterin der Spezialambulanz für Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsdysphorie, UKE

Almut Rudolf-Petersen

Niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin, , Lehranalytikerin, Aus- und Weiterbildungsleiterin am DPG-Institut Hamburg

Die psychoanalytische Annahme eines Geschlechterdualismus ist inzwischen um Konzepte zu nonbinären psychosexuellen Entwicklungen erweitert worden. Diese Ansätze verstehen ein konträres Identitätserleben gegenüber dem anatomischen Geschlecht nicht mehr zwingend als Zeichen einer pathologischen Entwicklung, sondern betrachten Transidentität als eine Normvariante. Klinisch stellen die „neuen Identitäten“ eine Herausforderung dar: wir sind inzwischen neben den klassischen Trans*entwicklungen konfrontiert mit episodischen und partiellen Geschlechtsdysphorien. Insbesondere sehr junge Patienten suchen Behandlung. Differentialdiagnostisch relevant ist dabei auch das Phänomen der meist stummen, aber doch dramatischen Ablehnung des eigenen Körpers oder von Körperteilen, die als monströs phantasiert und bekämpft werden. Gemeinsam soll klinischen, diagnostischen und behandlungstechnischen Fragen nachgegangen und die Bedeutung „neuer Identitäten“ reflektiert werden, in ihrer auch identitätsstiftenden Funktion. Bringen Sie gern eigene klinische Erfahrungen ein!

V05 ”Ich ändere jeden Tag mein Lebensmotto“ unklare Körperbeschwerden und körperliche Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in stationärer und ambulanter Psychotherapie

Bettina Gehle

Oberärztin der Psychosomatischen Abteilung, Ev. Krankenhaus Ginsterhof, Hamburg

Dr. med. Miriam Haagen

Ärztliche Psychotherapeutin, Dozentin, Supervisorin, Hamburg

Im Seminar wird der aktuelle Kenntnisstand zur klinischen Psychosomatik, der integrierten und Familien-Medizin in der Adoleszenz dargestellt. Schwere körperliche Erkrankungen haben Auswirkungen auf die seelische Verfassung der junge PatientInnen und ihrer Familien, die die Persönlichkeitsentwicklung und Krankheitsbewältigung entscheidend prägen können. Wie können junge Menschen, die sich körperlich krank fühlen und eine psychische Problematik bewältigen müssen, ein Verständnis ihres Innenlebens gewinnen? Auch Störungen der psychischen Befindlichkeit können körperliche Symptome erzeugen, die als primäres Leiden eines Jugendlichen vorgetragen werden. Die psychophysiologischen Grundlagen derartiger „leib-haftiger“ Beschwerden in der Psychotherapie werden anhand von Beispielen
differentialdiagnostisch (psychogen vs somatogen) erarbeitet.
In dem Seminar wird der Zugang zu einem Verständnis der somato-psychischen und psycho-somatischen Dynamiken anhand von Videointerviews zum subjektiven Krankheitserleben diskutiert und Einblicke in diese besonders herausfordernde psychosomatische Arbeit gegeben. Fallbeispiele der Teilnehmenden sind willkommen!

V06 Adipositas in der Psychotherapie aktuelle Theorien, psychodynamisches Verstehen und mögliche Behandlungsansätze

Dipl-Psych. Victoria Gerdesmann

Psychologische Psychotherapeutin u. Kinder und Jugendlichenpsychotherapeutin, Psychoanalytikerin, Hamburg

Dipl.-Psych. Carlotta Nord

Psychologische Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin (DPG) in eigener Praxis, Hamburg

Adipositas ist ein weltweit zunehmendes, gravierendes gesundheitliches Problem, was sich jedoch nicht in einer entsprechend starken Reflexion und Theorienbildung innerhalb des psychodynamischen Diskurses spiegelt. In der übrigen Fachwelt wird Adipositas aktuell hauptsächlich als medizinisches, oder als reines Verhaltensproblem dargestellt. In unserem Seminar sollen das psychodynamische Verstehen und die Behandlung von Esssucht und Adipositas im Mittelpunkt stehen. Einleitend wird eine diagnostische Differenzierung innerhalb der Adipositas-Patienten vorgestellt und ein Überblick über aktuelle Erklärungsansätze anderer Fachrichtungen sowie über medizinische Interventionen gegeben. Anhand von Fallvignetten wollen wir dann gemeinsam verschiedene psychodynamische Verstehenszugänge entwickeln. Die besondere Gegenübertragung bei adipösen Patienten und die eigene therapeutische Haltung sollen ebenfalls reflektiert werden.
Das Einbringen eigener Behandlungsfälle ist erwünscht!

V07 Verwandtschaft, Familie, Geschlecht: Neue Verhältnisse in Zeiten der Reproduktionstechnologie.

Dipl. Psych. Jörn Grebe

Dipl. Psychologe und Psychotherapeut i.A. (AP/TP) am DPG Institut Hamburg

Dipl.-Psych. Lars Hennings

PP (TP) in eigener Praxis, Hamburg

Wir beschäftigen uns mit Verwandtschafts- Familien- und Geschlechterverhältnissen, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts in ständigem Wandel begriffen sind. Insbesondere werden wir unser Augenmerk auf die Möglichkeiten und Befürchtungen hinsichtlich der Reproduktionsmedizin legen. In Gruppendiskussionen wollen wir ausloten, mit welchen Ängsten, Hoffnungen und (ökonomischen) Interessen diese Entwicklung einhergeht. Wir werden psychoanalytische Konzepte mit queertheoretischen und soziologischen Perspektiven in Berührung bringen. Und uns mit der Frage befassen, welche Rolle die Psychoanalyse bisher in diesem diskursiven Feld einnimmt. Auf der einen Seite bietet die Psychoanalyse die Möglichkeit, Veränderungsprozesse verstehend zu begleiten. Auf der anderen Seite wäre zu fragen inwiefern sie nicht auch an einem klassischen heteronormativen Familienverständnis festhält. Anhand von Impulsvorträgen, Film – und Bildbeiträgen wollen wir uns unserem Thema auf vielfältige Weise nähern und hoffen auf eine anregende und kontroverse Diskussion mit den SeminarteilnehmerInnen.

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT!! V08 Der Körper in der Psychoanalyse – allgegenwärtig und oft vergessen Eine Neurosenlehre mit Körper

Dr. med. Joachim Grefe

Dozent und Lehranalytiker am Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie der DPG Hamburg

„Das Ich ist vor allem ein körperliches.“ Diese kurze Feststellung Freuds schreibt die körperliche Basis allen Erlebens fest, aus der sich jegliche Bedeutung und in der Folge psychische Realität und Struktur ableiten. Solange das Leben währt, findet es im und mit dem Körper statt, der gleichermaßen Träger und Container des ganzen Menschen, Teil des Selbst, immer auch äußeres Objekt und in dieser Vielfalt in den Bildern und Funktionen der inneren Welt repräsentiert ist. Ebenso hat jede Beziehung in der Begegnung der Körper ihren Ursprung und Rahmen. Die sich daraus ergebende ständige Gegenwärtigkeit des Körpers im Seelischen über die ganze Lebenszeit stellt etwas Vorgegebenes, Aktuelles und Nachträgliches dar. Sie ist Bildgeber im Normalen, Neurotischen, Psychosomatischen, wie in der Krankheitsverarbeitung.
Dies soll entlang der vier Psychologien der Psychoanalyse (Trieb-, Ich-, Objektbeziehungs- und Selbstpsychologie) und mit Fallvignetten aus Klinik und Praxis dargestellt und mit den Teilnehmern diskutiert werden.

V09 Integrierte gynäkologische Psychosomatik Resonanzerleben und Entwicklungschancen des ”Ichs“ in der professionellen Interaktion

 Dr. med. Sophia Holthausen-Markou

Leitung Gynäkologische Psychosomatik, Medizinische Hochschule Hannover

Psychodynamisch gynäkologisch psychosomatisches Arbeiten integriertressourcenorientierte und achtsamkeitsbasierte Aspekte. Bei Kurz- und Kriseninterventionen können so in Resonanz mit der Patientin entwicklungsfördernde Impulse gesetzt werden. In längeren psychotherapeutischen Prozessen sind strukturelle Beziehungsentwicklungen möglich.
Durch Verlust oder Versehrtheit verändertes Körpererleben kann so oft in die Lebenskontinuität integriert werden. Da gynäkologische Diagnostik und Therapie immer in Berührung mit Intimität kommen und in den weiblichen Körper eingreifen, ist ein respektvoller empathischer Umgang mit Grenzen und starken Gefühlen der Patientin auch im Hinblick auf ihr Identitätserleben wesentlich. Dies kann zudem auf das multiprofessionelle Team integrierend wirken. Präsentiert werden Kasuistiken mit Facetten z.B. bei Kinderwunsch, Klimakterium, Endometriose Krebserkrankungen, um Schwangerschaft und Geburt herum, Intimität und Sexualität und Lust haben, eigene (Fall-)beispiele sind willkommen.

V10 Progressive Muskelrelaxation Körper und Seele entspannen

Prof. Dr. med. Dr. phil. Dorothea Huber

Professorin an der Internationalen Psychoanalytischen Universität, Berlin

Die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson wird in ihrem Konzept, ihrer Anwendung und differenziellen Therapieindikation vorgestellt und diskutiert. Es werden verschiedene Entspannungs-instruktionen (Lang- und Kurzentspannung, Version für Sitzen und für Liegen, differenzielle Entspannung) sowie die Kombination mit einer mentalen Entspannung (Ruheszene) vorgestellt, ausprobiert, gelernt. Die Selbsterfahrungen, die in diesem Seminar möglich sein werden, passen ganz besonders gut zum Tagungsthema, weil im Bereich der Entspannungsmethoden erlebt werden kann, wie sehr das Ich ein körperliches ist, bzw. wie wir durch Einflussnahme auf unsere körperlichen Prozesse auch unser Ich berühren, aber auch, wie sehr es sich um einen wechselseitigen Prozess handelt.
Handouts mit verschiedenen Instruktionen werden verteilt, so dass neben der Selbsterfahrung auch Fähigkeiten für die Durchführung mit Patienten vermittelt werden. Auch ein Einblick in andere Entspannungsverfahren wird gegeben.

V11 "Der Körper ist mein Feind“ Eine Einführung in die Essstörungen

Dipl.-Psych. Susanne Kaut

Dozentin, Supervisorin und Selbsterfahrungsleiterin an der APH und anderen Instituten, Hamburg

Den eigenen Körper als etwas Fremdes zu erleben und ihn als nicht zum eigenen Ich gehörend zu behandeln gehört zur Kernsymptomatik der Essstörungen, besonders akzentuiert in der Anorexia nervosa. Der Körper wird wie ein Feind verfolgt und misshandelt. Die gravierenden somatopsychosozialen Folgen werden in allen drei Essstörungen (Anorexie, Bulimie und Adipositas) zumindest in Kauf genommen, wenn nicht sogar mehr oder weniger unbewusst beabsichtigt.
Das Seminar richtet sich an PsychotherapeutInnen im Erwachsenenbereich und ist tiefenpsychologisch orientiert. Angeboten wird eine Übersicht und Einführung in die Störungsbilder und Behandlung der Anorexie, Bulimie und Binge Eating/Adipositas.
Vorerfahrungen im Bereich der Essstörungen sind nicht erforderlich.
Eigene Fallvignietten können gern mit- und eingebracht werden.

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT!! V12 Übertragung, körperlicher Ausdruck und szenisches Verstehen mit Videobeispielen

Univ.-Prof. i.R. Dr. Rainer Richter

Hochschullehrer i.R., Hamburg

Das Verständnis von Übertragung und Gegenübertragung gehört (neben der Analyse des Widerstands) zu den Essentials der psychoanalytischen Technik. Zu allen Zeiten haben sich daher psychoanalytische Lehrer Gedanken darüber gemacht, wie die entsprechenden Fertigkeiten in Ausbildung und Supervision in einem Bildungsprozess vermittelt werden können, der am Ende zu einer psychoanalytischen Haltung führen soll. Von den historischen Konzepten soll das Konstrukt des szenischen Verstehens, von den moderneren auch die Analyse des körperlichen Ausdrucks als Teil der therapeutischen Beziehung diskutiert werden.
Schwerpunkt des Seminars sind Mikroanalysen von psychotherapeutischen Erstgesprächen anhand von Videoausschnitten. Dabei sollen Übertragungsphänomene, aber auch psychodynamische Konflikte und strukturelle Beeinträchtigungen im Kontext der Szene, die immer auch eine körperliche ist, erkannt, diskutiert und verstanden werden.

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT!! V13 Körper-Sprache-Szene Zum zwischenleiblichen Geschehen in der psychoanalytischen Situation

Dr. Jörg M. Scharff

Psychoanalytiker in freier Praxis, Kronberg/Ts.

Kommunikation im therapeutischen Raum ist immer auch eine zwischenleibliche. Das Verstehen der Vorgänge im analytischen Feld bedarf eines Sich-Einlassens auf deren leibliche Dimension und eines Erspürens der unmittelbaren sinnlichen Einwirkung aufeinander. Hier blickt der Analytiker nicht objektivierend auf das Geschehen, sondern lässt sich von ihm leiblich ergreifen. Zum körpersprachlich-leiblichen Kommunikationsmodus gehören Unmittelbarkeit, Präsenz, Ganzheitlichkeit und in den meisten Fällen ‚Präreflexivität‘ – doch verweist all dies zugleich auf eine Vielfalt von Bedeutungszusammenhängen, die analytisch in sorgfältiger Arbeit erschlossen werden wollen, um die ‚Szene‘ und deren unbewusste Bedeutungen zu erfassen.
In diesem Seminar sollen über Theorie und praktische Übungen die Selbst- und Fremdwahrnehmung geschult werden, zum einen hinsichtlich des musikalischen Aspekts der sprachlichen Äußerungen (Ton, Rhythmus, Artikulation, Sound usw.), aber auch der »Sprache des Leibes« mit seiner Gestik, Mimik, dem Gesamt seiner Bewegungs-Aura.

V14 Psychotisches Körpererleben: psychodynamisches Verständnis und die Grenzen der Einfühlbarkeit

Dr. Michael Schödlbauer

Leiter des Adolf-Ernst-Meyer-Instituts für Psychotherapie in Hamburg

In Psychosen ist das Leiberleben oft stark verändert: eine Geschlechtsumwandlung geht vor sich, Eierstöcke werden im Bauchraum verlagert, man riecht giftiges Gas oder erlebt seinen Körper wie eine Marionette, die von einem „Beeinflussungsapparat“ (V. Tausk) gelenkt wird. Psychodynamisch kann man Zugang zu solch verstörendem Erleben bei schizophrenen wie affektiven Psychosen bekommen: bizarr wirkende Missempfindungen lassen sich teils als Rückstände früher traumatischer Erfahrungen verstehen und behandeln, eine Katatonie erweist sich als ‚Totstellreflex’ in einer dilemmatischen Situation, zönästhetische Beschwerden lassen sich als Besetzung von Leibinseln verstehen, nachdem die Differenzierung von Subjekt und Objekt nicht mehr
gelingt: die Arbeit mit solchen Patienten macht etwas mit den Behandlern – in der Gegenübertragung und in der ‚Zwischenleiblichkeit’: Echopraxie ist nicht nur ein Symptom, das sich bei Schizophrenen diagnostizieren lässt, es lässt sich auch bei ihren Therapeuten beobachten.

V15 ”Musik geht unter die Haut“ Der Körper in der psychodynamischen Musiktherapie

Dr. sc. mus. Gitta Strehlow

Dipl. Musiktherapeutin, Bethesda KH Bergedorf, Dunkelziffer e.V., Hamburg

Zentral für die psychodynamische Musiktherapie ist der durch die Improvisation entstehende musikalische Handlungsdialog zwischen Patient und Therapeut, welcher hernach verbal reflektiert wird. Musik, ob in der zuhörenden Position oder aktiv selbst spielend, ist oft mit direktem körperlichem Erleben verbunden. Die Stimme – unser ureigenes Instrument – stellt besondere Körpernähe her. 
Vitalität, Hoffnung, Wut oder Angst können durch Musik ausgedrückt und körperlich spürbar werden. Der Umgang mit körpernahen Erfahrungen innerhalb von Therapie bedarf jedoch immer notwendiger Vorsicht und Reflexion. Im Seminar werden Chancen und Risiken musiktherapeutischer Arbeit vorgestellt.
Die Teilnehmer experimentieren auf Instrumenten und mit der Stimme. Spielen, singen, sowie summen werden in Hinblick auf körperliche Resonanzerlebnisse untersucht. Die musikalischen Erfahrungen im Seminar werden reflektiert, durch theoretische Aspekte ergänzt und auf die therapeutische Arbeit bezogen. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

V16 Konversion und Trauma Die Konversion als Sprache des Körpers

Gabriele Teckentrup

KJP-Praxis für Psychoanalyse und Psychotherapie (MBI), Hamburg

In dem Seminar wird es um theoretische und klinische Konzepte über den Zusammenhang von körperlichen Symptomen und Traumatisierungen in der Adoleszenz gehen. Danach werden die mit dem unbewussten Konflikt verbundenen Gefühle zur Abwehr in somatische, motorische und sensible Symptome konvertiert und an den Körper weitergeleitet, der dann zum Austragungsort des Konfliktes wird. Am Beispiel der psychotherapeutischen Behandlung eines jugendlichen Flüchtlings soll der
Frage nachgegangen werden, inwieweit körperliche Symptome Ausdruck einer Traumatisierung sind und zugleich verstanden werden können als Lösungsversuch für unbewusste Konflikte, die durch die Traumatisierung revitalisiert und verschärft worden sind. Klinische Beispiele von TeilnehmerInnen sind willkommen.