Die Nachmittagsseminare finden Montag bis Donnerstag jeweils 16.30 bis 18.00 Uhr statt.

Sie können für 190,- € (für das erste Seminar) und 90,- € (für ein weiteres Seminar, wenn Sie z.B. auch schon ein Vormittags-Seminar gewählt haben) gebucht werden (zzgl. zum Grundbetrag).

Die Teilnehmerzahl je Seminar ist auf 12-15 begrenzt.

Für die vollständige Teilnahme erhielten Sie insgesamt 8 Fortbildungspunkte.


N01 Gesellschaftskritik und Psychotherapie Gibt es einen Zusammenhang von Symptomentwicklung und gesellschaftlichen Bedingtheiten? Oder ist alles ”nur“ innere Realität des Patienten?

Dr. med. Dipl.-Soz.-wirt Christian Foth

Praxis für Psychosomatische Medizin, Psychoanalyse und Psychotherapie, Hamburg

Das Seminar startet theorieorientiert mit einer Auseinandersetzung mit der Kulturkritik der psychoanalytischen Theorie. Daraus entwickeln sich Fragen zur Beziehung von Psychotherapie und Gesellschaft: Brauchen wir eine Neubewertung der Trias von Therapie, Unbewusstem und Kulturkritik? Ist die Ich-Instanz jene Instanz, die durch das Realitätsprinzip eine Anpassung an die jeweils geforderten gesellschaftlichen Strukturen fördert? Und ist das Über-Ich der unerbittliche Statthalter gesellschaftlicher
Normen und Werte? Gerät die therapeutisch gewünschte Relativierung von Über-Ich-Anteilen zur Infragestellung gesellschaftlicher Strukturen? Spiegeln sich die Widersprüche der Gesellschaftin der Neurose des Einzelne wider? Und ändern sich die Symptome in Abhängigkeit gesellschaftlicher Veränderungen? Darf oder soll die Therapiestunde auch eine Gesellschaftskritik beinhalten? Sind wir als Therapeuten gesellschaftspolitisch zu abstinent? Und letztlich: Was bedeuten all diese Überlegungen für die praktische therapeutische Arbeit?

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT!! N02 Transgenerationale Traumatransmission

Univ.-Prof. Dr. med. Harald J. Freyberger

Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald am Helios Hanseklinikum Stralsund

Die Formen der transgenerationalen Traumatransmission können inzwischen als gut untersucht gelten und lassen sich auf den Ebenen interpersoneller, sozialisationsbezogener und kommunikationstheoretischer Mechanismen beschreiben. Darüber hinaus spielen neurobiologische und hier insbesondere epigenetische Veränderungen, die die Körperebene betreffen, eine zentrale Rolle. Phänomenologisch sind die Spuren der Effekte sowohl im Psychischen als auch im Körperlichen zu sichern. In dem Seminar sollen neben den psychosozialen Mechanismen vor allem die körperlichen Mediatoren eine zentrale Rolle spielen. Dazu werden die traumabezogenen körperlichen Primärsymptome und ihre Übertragung auf die nächsten Generationen neben den verschiedenen Aspekten des im weitesten Sinne genetischen Risikotransfers beschrieben. Am Beispiel von DDR-Dopingopfern und ihren Kindern sowie anderen traumatisierten Gruppen werden dabei die Verzahnungen von Missbrauchserfahrungen
einerseits und den pharmakologischen Schäden andererseits diskutiert.

N03 Das Haut-Ich und seine Beschädigungen

Dr.med. Jeanette Jung

Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie, Hamburg

Silke Roschlaub

Praxis für Psychotherapie (TP), Hamburg

Didier Anzieu hat das psychoanalytische Denken um das Konzept des „Haut-Ich“ erweitert, indem er den Blick auf die frühe körperliche Wahrnehmung über die Haut und deren weitere Entwicklung lenkt. Dies sei Voraussetzung für die Ausbildung psychischer Strukturen und deren Begrenzungen. Für Anzieu ist der Körper die „nicht reduzierbare Grundlage des Daseins, an die sich die psychischen Funktionen anlehnen“ und die Haut „gleichzeitig eine organische und eine imaginäre originäre Gegebenheit, sie ist Schutzvorrichtung unserer Individualität sowie erstes Instrument und Ort des Austausches mit dem Anderen.“ Das „Haut-Ich“ als ein Vorläufer des Ich stellt die umhüllende Verbindung zwischen Körper und entstehender Identität her. Ausgehend von Beobachtungen eines Symptomwandels der Patienten in einer zunehmend „entgrenzten Gesellschaft“, betont er in Theorie und Technik die zentrale Bedeutung
des Haltens und „Gehalten-Seins“.
Wir möchten die Theorie Anzieus vorstellen und mit Ihnen gemeinsam klinische Beispiele unter diesem Blickwinkel verstehen.

N04 Lucian Freud der schonungslose Blick

Dr. Matthias Oppermann

Praxis für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalyse (DPV / IPV), Hamburg

Der englische Maler Lucian Freud (1922-2011) ist bekannt für sein „rücksichtsloses Zu-Leibe-Rücken“ in seiner Malerei. Kaum ein Maler hat Körperlichkeit so gemalt, dass die Körper seiner Modelle in ihrem So-sein und ihrer Direktheit den Betrachter mit der eigenen Körperlichkeit und deren Gebrauchsspuren in hohem Maße konfrontieren und eine Reaktion provozieren. Als Enkel von Sigmund Freud arbeitete er ähnlich „hochfrequent“. Lucien Freud, so Rotraud de Clerck, näherte sich seinen Modellen ähnlich, wie sein Großvater sich seinen Patienten zuwandte.

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT! N05 ”Woher weiß mein Körper was du fühlst?“ Zum Umgang mit der leiblichen Gegenübertragung

Dr. Gabriele Ramin

Eigene Praxis in Hamburg, Dozentin und Supervisorin, Lehrtherapeutin, Weiterbildungsermächtigt bei der ÄK Hamburg

Ein Teil dessen, was wir als Therapeuten in der Gegenübertragung wahrnehmen, teilt sich uns leiblich mit. Es ist fruchtbar, sich mit diesen nonverbalen Informationen auseinanderzusetzen, um unsere Resonanz auf Abwehrmuster und Projektionen zu erfassen, die über das Verbale hinausgehen, eher aus frühen Erfahrungen kommen und von den Patienten kaum bildhaft oder symbolisiert erinnert werden können. Sie aufzugreifen, szenisch zu verstehen und in einen förderlichen therapeutischen Dialog zu bringen, soll Inhalt des Seminars sein.
Das Mitbringen eigener Fälle ist erwünscht.

N06 ”Da kann ich doch nicht nein sagen“. Wenn Grenzen verschwimmen in der Therapie

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt

Ehem. Direktorin des Instituts für Sexualforschung Universitäts- Klinik Hamburg-Eppendorf

Bei schwerwiegenden Grenzverletzungen kann man sich schnell darauf einigen, dass es sich hier um Missbrauch der therapeutischen Situation handelt. Nicht immer ist es jedoch leicht, zu entscheiden, ob und wann Grenzen überschritten werden. Ein und dieselbe Handlung, wie etwa eine Berührung, kann v.a. in der Körpertherapie als therapeutische Methode zum Einsatz kommen, in einer anderen Therapieform muss sie als Übergriff betrachtet werden. Im Seminar geht es um eine Sensibilisierung für den Umgang mit kritischen Situationen, die zu Grenzverletzungen führen können. Dabei soll Abstinenz als zentrales Konzept psychodynamischen Arbeitens erörtert werden. Beispielsbeiträge der Teilnehmenden sind erwünscht für die Diskussion.

N07 Wirklich psychisch bedingt? Somatische Differenzialdiagnosen in der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie

Dr. med. Hans Ulrich Schmidt

Prof. für Musiktherapie an der Universität Augsburg

Das Seminar für Ärzte/Psychologen beschäftigt sich mit psychotherapeutischer Fehlerkultur, v. a. im Hinblick auf die mögliche Nicht-Berücksichtigung somatischer Diagnosen im Zuge der Indikation zur Psychotherapie und deren Verlaufes. Bei der Indikation kann es zu „psychogenen Fehleinschätzungen“ im Zuge solcher Beschwerden kommen, die z. B. auf seltene körperliche Erkrankungen zurückzuführen sind, aber vorschnell als psychogen „verortet“ werden. Im Verlauf werden somatische hinzutretende Symptome nicht selten der Abwehr des Patienten zugeschlagen.
Das Seminar vermittelt folgende Inhalte: 
1) Diagnostische Fehler in der Medizin, Entstehung und Prävention
2) Berücksichtigung – bestehender und neu auftretender – somatischer Aspekte sowohl bei der Indikation zur Psychotherapie als auch im Zuge der Behandlung selbst 3) Umgang mit somatischen Symptomen in der Psychotherapie – Psychotherapie als „Einbahnstraße“ in Richtung einer Desomatisierung?
4) Somatische Differenzialdiagnostik in der Psychotherapie – Fallbeispiele aus Innerer Medizin und Neurologie
Das Einbringen eigener Erfahrungen/Fälle ist erwünscht!

DIESES SEMINAR IST AUSGEBUCHT!! N08 Die Erlösung vom Körper Psychosoziale Bedingungen und psychodynamische Prozesse der Suizidalität

Prof. Dr. Martin Teising

Präsident der International Psychoanalytic University Berlin

In unerträglich und aussichtslos erscheinenden Situationen suchen verzweifelte Suizidenten eine Befreiung aus dieser Situation. Nicht selten möchten sie von körperlich bedingten Qualen erlöst werden. Der Körper als Ort subjektiver Erfahrung wird zum Objekt der suizidalen Handlung. Dies ist sowohl das Ergebnis psychodynamisch orientierter wissenschaftlicher Untersuchungen als auch klinische Erfahrung.
In diesem Seminar werden epidemiologische, psychosoziale und psychodynamische
Bedingungen der Suizidalität klinisch orientiert vermittelt. Es werden Prinzipien der Krisenintervention und der Behandlung suizidaler Patienten dargestellt und ethische Aspekte erörtert.
Die Teilnehmer sollten psychotherapeutische Erfahrung haben und können
auch eigene Fallbeispiele besprechen.

N09 Vom Negieren zum Inszenieren ... Essstörungen bei Adoleszenten und ihre Behandlung

Dr. phil. Helene Timmermann

Vorsitzende der VAKJP, MBI, Hamburg

Essstörungen wie Anorexie und Bulimie sind schwere psychosomatische Erkrankungen, deren Beginn i.d.R. zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr liegt und die vor allem weibliche Jugendliche betreffen. Magersucht kann letztlich zum Tod führen, aber auch die Bulimie kann gravierende körperliche Schädigungen zur Folge haben. Das Essen hat eine missbräuchliche und zugleich eine soziale Funktion, in der auf diese Art versucht wird, unlösbar erscheinende Probleme zu bewältigen. Die Interaktion um Stillen und Füttern gehört zu den elementarsten Erfahrungen in Beziehungen. Insofern weisen Essstörungen auf eine gestörte Interaktion mit den primären Bezugspersonen und auf Spannungen in der Familie und im sozialen Umfeld hin, die in der Adoleszenz - einer vulnerablen Entwicklungsphase - eine spezifische Brisanz erhalten.
In Psychotherapien von Jugendlichen mit Essstörungen ist es notwendig, den Blick sowohl auf die innerpsychische Dynamik zu richten als auch auf die familiären Beziehungen und den gesellschaftlichen Kontext.