Die Hauptvorträge finden Montag bis Freitag jeweils 09.30 bis 11.00 Uhr statt.

Alle Vorträge (auch der Abendvortrag) sind im Grundbetrag von 350,- € enthalten.

Für die vollständige Teilnahme an den Hauptvorträgen erhalten Sie insgesamt 10 Fortbildungspunkte.

Fremde sind wir uns selbst

Prof. Dr. med. Dr. phil. Rolf-Peter Warsitz
Hauptvortrag am Montag, 01. Juni

Fremde sind wir uns selbst
Die Flüchtlingskrise und die deutschen Verhältnisse

Prof. Dr. med. Dr. phil. Rolf-Peter Warsitz

Prof. i.R. an der Universität Kassel

Ausgehend von Julia Kristevas Essay „Fremde sind wir uns selbst“ wird die aktuelle Flüchtlingskrise in Deutschland reflektiert. Dies geschieht vor dem Hintergrund einer individuellen Erfahrung des Umgangs mit Fremdheit und zugleich einer sozialpsychologischen Erfahrung im Sinne der Sozialpathologie der Deutschen. Dabei erscheinen Aspekte des aktuellen Rassismus und Rechtsradikalismus ebenso wie diejenigen des dschihadistischen Terrors als Spaltungsphänomene. Die Spaltungen zeigen sich sowohl in einer fragilen kulturellen Identität wie auch in ungelösten adoleszenten Sozialisationsprozessen und in religiösen Identifizierungen. Die Reflexion endet in der Annahme einer paradoxalen Idee eines „Europas der Fremden“.

Aggression und Todestrieb

Dr. med. Dipl. Sozwirt. Christian Foth
Hauptvortrag am Dienstag, 02. Juni

Aggression und Todestrieb
Mors certa, hora incerta – Der Tod ist gewiss. Die letzte Stunde bleibt verborgen

Dr. med. Dipl. Sozwirt. Christian Foth

Arzt f. Psychosomat. Medizin, Psychoanalyse. Hamburg

Es war und ist eine große Debatte um die Ursachen menschlicher Aggression und keine Schrift Freuds hat so viele kontroverse Diskussionen hervorgerufen, wie die Schrift "Jenseits vom Lustprinzip". Die polarisierende Vereinfachung in diesen Diskussionen, die Reduzierung auf ein Entweder-Oder, die Begründung der menschlichen Destruktivität in der Ursache eines Todestriebes, das Außerachtlassen aller einander wechselseitig bedingenden Faktoren, das Tolerieren der Komplexität von Leben, Todestrieb, Tod und Sterben: eine Annäherung an diese Thematik soll Inhalt des Vortrages sein.

Spaltung bei dissozialen Persönlichkeiten

Prof. emer. Dr. phil. Udo Rauchfleisch
Hauptvortrag am Mittwoch, 03. Juni

Spaltung bei dissozialen Persönlichkeiten
Die Bedeutung der Spaltung bei dissozialen/antisozialen Persönlichkeiten

Prof. emer. Dr. phil. Udo Rauchfleisch

Psychotherapeut in privater Praxis, Basel

In der Entwicklung und im Verhalten von Menschen mit dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörungen spielt der Mechanismus der Spaltung eine zentrale Rolle. Im Vortrag wird dargestellt, warum dieser Abwehrmechanismus für die Persönlichkeitsintegration dieser Menschen so wichtig ist und wie in der Psychotherapie mit Spaltungsphänomenen umgegangen werden kann.

Spaltungen im Ich und in der Gesellschaft

Prof. Dr. phil. Angela Morè
Hauptvortrag am Donnerstag, 04. Juni

Spaltungen im Ich und in der Gesellschaft
durch transgenerationale Schuldweitergabe

Prof. Dr. phil. Angela Morè

Sozialpsychologin, Gruppenanalytikerin, Professorin am Institut für Soziologie, Leibnitz-Universität, Hannover

Schuldabwehr und -verleugnung durch Täter*innen führen bei deren Nachkommen zu psychischen Konflikten und unterschiedlichen sozialen Reaktionen. Diese reichen von (unbewusster) Schuldübernahme und Scham über Loyalitätskonflikte bis zur massiven Abwehr des unerträglichen Wissens oder Ahnens. In ihren Lebenskonzepten fühlen sich die Nachkommen zu Wiedergutmachungen gedrängt, neigen zu Opferbereitschaft oder setzen die Verleugnungstradition mit Projektionen und dem Wiederbeleben von Feindbildern und Vorurteilen fort. Dahinter verbirgt sich häufig eine tiefe innere Zerrissenheit, die dort, wo die Verleugnung aus einem gesellschaftlichen Zusammenhang entstammt, auch
zu Spaltungsprozessen in der Gesellschaft führt. Die Psychodynamik und soziokulturellen Effekte sollen – im Vortrag und Seminar verdeutlicht werden.

Spaltungsprozesse eines Teams im Unternehmen

Dipl.-Psych. Ruth Beckenbauer
Hauptvortrag am Freitag, 5. Juni

Spaltungsprozesse eines Teams im Unternehmen
Zur Entwicklung der Triangulierungsfähigkeiten von Führungskraft und Team

Dipl.-Psych. Ruth Beckenbauer

Selbständg. psy.dyn., gruppenan. Supervisorin, Coach, Teamentwicklerin, Hamburg

Ausgehend von einer Fallvignette aus meiner Beratungspraxis in Betrieben reflektiere ich meine Arbeit mit Spaltungsprozessen in Unternehmen: Ein Team, das direkt mit seiner disziplinarischen Führungskraft zusammenarbeitet, bildet eine Polarisierung aus zwischen zwei
Protagonistinnen, die sich mit heftigen entwertenden Vorwürfen dyadisch fixieren. Ein Teil des Teams gesellt sich um eine Protagonistin, eine Kollegin stellt sich auf die Seite der zweiten Protagonistin. Ein dritter Teil hält sich heraus. Der Arbeitsdruck ist hoch. Die Führungskraft ist nach vielen Bemühungen, die Protagonistinnen zusammenzubringen ratlos und nimmt Kontakt zu mir auf. Im Erstkontakt inszeniert sich die Spaltung. Es steht „auf Messer’s Schneide“, ob durch die Beraterin eine dritte Position im Sinne einer Triangulierung zugelassen werden kann. Nur durch gezieltes Verändern des Settings und Herstellen eines transparenten und sicheren Rahmens kann vorsichtig begonnen und langsam v.a. die Triangulierungsfähigkeit der Führungskraft entwickelt werden.