Die Hauptvorträge finden Montag bis Freitag jeweils 09.30 bis 11.00 Uhr statt.

Alle Vorträge (auch der Abendvortrag) sind im Grundbetrag enthalten.

Für die vollständige Teilnahme an den Hauptvorträgen erhalten Sie insgesamt 10 Fortbildungspunkte.

Entfremdungen

Prof. Dr. med. Dr. phil. Rolf-Peter Warsitz
Hauptvortrag am Montag, 24. Mai

Entfremdungen
Individuelle und gesellschaftliche Spaltungsprozesse angesichts aktueller Krisen

Prof. Dr. med. Dr. phil. Rolf-Peter Warsitz

Prof. i.R. an der Universität Kassel

Zunächst die Flüchtlingskrise und dann die Corona- Krise haben uns gelehrt,  daß sich krisenhafte kulturellen Entwicklungen nicht allein aus den Phänomenen erklären, die die Krise auslösen, sondern auch aus Spaltungsprozessen unserer individuellen und sozialpsychologisch- kulturellen Struktur. Das Fremde, das Andere, das scheinbar von außen auf uns kommt und uns bedroht, ist auch das in den Anderen projizierte und insofern entfremdete Eigene: ‚Fremde sind wir uns selbst‘ (J. Kristeva).  Psychotherapeutisch und kulturell können wir die Krise nur bewältigen, wenn wir das Eigene im Anderen anzuerkennen bereit sind und so die Spaltungsdynamik zurücknehmen.

Aggression und Todestrieb

Dr. med. Dipl. Sozwirt. Christian Foth
Hauptvortrag am Dienstag, 25. Mai

Aggression und Todestrieb
Mors certa, hora incerta – Der Tod ist gewiss. Die letzte Stunde bleibt verborgen

Dr. med. Dipl. Sozwirt. Christian Foth

Arzt f. Psychosomat. Medizin, Psychoanalyse. Hamburg

Es war und ist eine große Debatte um die Ursachen menschlicher Aggression und keine Schrift Freuds hat so viele kontroverse Diskussionen hervorgerufen, wie die Schrift "Jenseits vom Lustprinzip". Die polarisierende Vereinfachung in diesen Diskussionen, die Reduzierung auf ein Entweder-Oder, die Begründung der menschlichen Destruktivität in der Ursache eines Todestriebes, das Außerachtlassen aller einander wechselseitig bedingenden Faktoren, das Tolerieren der Komplexität von Leben, Todestrieb, Tod und Sterben: eine Annäherung an diese Thematik soll Inhalt des Vortrages sein.

Spaltung bei dissozialen Persönlichkeiten

Prof. emer. Dr. phil. Udo Rauchfleisch
Hauptvortrag am Mittwoch, 26. Mai

Spaltung bei dissozialen Persönlichkeiten
Die Bedeutung der Spaltung bei dissozialen/antisozialen Persönlichkeiten

Prof. emer. Dr. phil. Udo Rauchfleisch

Psychotherapeut in privater Praxis, Basel

In der Entwicklung und im Verhalten von Menschen mit dissozialen/antisozialen Persönlichkeitsstörungen spielt der Mechanismus der Spaltung eine zentrale Rolle. Im Vortrag wird dargestellt, warum dieser Abwehrmechanismus für die Persönlichkeitsintegration dieser Menschen so wichtig ist und wie in der Psychotherapie mit Spaltungsphänomenen umgegangen werden kann.

Spaltungen im Ich und in der Gesellschaft

Prof. Dr. phil. Angela Morè
Hauptvortrag am Donnerstag, 27. Mai

Spaltungen im Ich und in der Gesellschaft
durch transgenerationale Schuldweitergabe

Prof. Dr. phil. Angela Morè

Sozialpsychologin, Gruppenanalytikerin, Professorin am Institut für Soziologie, Leibnitz-Universität, Hannover

Spaltung kommt häufig zum Tragen bei der Verleugnung und Abwehr von Schuld durch Rechtfertigungen, Lügen und die Verkehrung der Täter-Opfer-Perspektive. Bei den Nachkommen derjenigen, die sich der Verantwortung für Vergehen oder Mitschuld entziehen, kann dies zu starken psychischen Belastungen führen. Diese zeigen sich u.a. in (unbewusster) Schuldübernahme, in Selbstzweifeln, Scham oder Depressionen und selbstschädigendem Verhalten. In ihren Lebensentwürfen fühlen sich viele Nachkommen zu besonderem sozialem Engagement gedrängt, zu Wiedergutmachungsleistungen und hoher Opferbereitschaft. Andere setzen die Verleugnungstradition mit Projektionen und dem Wiederbeleben von Feindbildern und Vorurteilen fort und delegieren dadurch die Reintegration an die nächste(n) Generation(en). Dahinter verbirgt sich eine tiefe innere Zerrissenheit, die, auch zu Spaltungsprozessen in der Gesellschaft führt. Diese psychischen und soziokulturellen Dynamiken und Folgen  besser zu verstehen soll das Hauptanliegen des Vortrags und Seminars sein.

Eine Zerreißprobe für Individuum und Gesellschaft

Prof. Dr. habil. Hans-Jürgen Wirth
Hauptvortrag am Freitag, 28. Mai

Eine Zerreißprobe für Individuum und Gesellschaft
Überlegungen der psychoanalytischen Sozialpsychologie zur Corona-Pandemie

Prof. Dr. habil. Hans-Jürgen Wirth

Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis, Gießen

Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Weltwirtschaft einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt, sondern auch den privaten und den beruflichen Alltag jedes Einzelnen tiefgreifend verändert. Das gilt besonders für Berufe, wie Pädagogik und Psychotherapie, in denen die direkte persönliche Beziehung essentiell ist. Seit Erik Erikson wissen wir, dass jede Krise sowohl eine Gefahr darstellt, als auch die Chance zur Neuorientierung beinhaltet. Welche sozialpsychologischen Auswirkungen hat die Corona-Krise auf unser Menschen- und unser Weltbild? Wie sehen wir unser Verhältnis zur Natur? Wie beeinflusst sie die internationalen Beziehungen? Verstärkt sie destruktive und selbstdestruktive Prozesse? Wie verändert sich unser alltäglicher Umgang miteinander? Werden wir distanzierter, ängstlicher, hypochondrischer, gar paronoider? Die Pandemie stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. Die Psychoanalyse hat die Aufgabe, diese Prozesse reflexiv und selbstreflexiv zu begleiten und so unsere Handlungsoptionen zu erweitern.