Anmeldungen für die Doppel-Seminare nehmen wir mit Anmeldestart ab Mitte Oktober ausschließlich online entgegen.

Die Doppelseminare finden Montag bis Donnerstag jeweils 11.30 bis 13.00 Uhr und 16.30 bis 18.00 Uhr statt. Doppelseminare bestehen somit aus acht – nicht vier – Modulen.

Die Teilnehmerzahl je Seminar ist auf max. 15 begrenzt.

Für die vollständige Teilnahme an den Doppel-Seminaren erhalten Sie insgesamt 16 Fortbildungspunkte.

D01 Von Größenwahn und Zwergenwut | AUSGEBUCHT!

Dr. phil. Dipl.-Psych. Annegret Boll-Klatt
Dipl.-Psych. Mathias Kohrs

Von Größenwahn und Zwergenwut
Psychodynamische Psychotherapie narzisstischer Pathologien

Dr. phil. Dipl.-Psych. Annegret Boll-Klatt

Psychologische Psychotherapeutin, Schwerpunkt TP, Hamburg

Dipl.-Psych. Mathias Kohrs

Psychoanalytiker in freier Praxis, Hamburg

Das psychoanalytische Narzissmuskonzept enthält seit Freuds „Einführung in den Narzissmus“ (1914) vielfältige Paradoxien und Kontroversen. Vielleicht spiegelt sich in seiner Widersprüchlichkeit sein Sujet: Das Ringen des Menschen – wohl lebenslang – um die Kohärenz seines Selbst zwischen dem existenziellen Angewiesensein auf die Anerkennung durch den Anderen und dem unstillbaren Verlangen nach eigener Größe und Unabhängigkeit. In der Oszillation zwischen diesen Polen liegen Entwicklungschancen, aber auch mögliche pathologische Prozesse, die in Spaltung, Verleugnung und projektive Ver(w)irrungen führen können. Die sich daraus in der Therapie entfaltende spezielle Beziehungsdynamik entzieht sich häufig den gängigen Behandlungstheorien und -techniken und führt zu erheblichen Schwierigkeiten.

Die Nutzung unterschiedlicher theoretischer Konzeptionen und Perspektiven soll im Workshop ein vertieftes Verständnis nicht nur individueller Pathologie und Behandlungsdynamik ermöglichen. Darüber hinaus können wir die aktuellen beunruhigenden gesellschaftlichen Prozesse im Kontext der Pandemie als Ausdruck kollektiver narzisstischer Dysregulation betrachten und in ihrer verstörenden Macht verstehen.

D02 Frühe Spaltung, spätere Spaltungen

Dr. med. Joachim Grefe

Frühe Spaltung, spätere Spaltungen
Konzepte und Klinik

Dr. med. Joachim Grefe

Dozent und Lehranalytiker am DPG-Institut, Hamburg

Spaltung dient der Bewältigung nicht integrierbarer libidinöser und destruktiver Regungen und daraus resultierender unerträglicher Spannungen. Die erlebte Verunsicherung oder Bedrohung wird durch die Aufteilung in "nur gut" und "nur schlecht" vermindert. Im gesellschaftlichen Bereich wird dies besonders gut in krisenhaften Zuständen - zuletzt während der Corona-Pandemie - beobachtbar.
In Klinik und Praxis, in Individuen und in Gruppen begegnen uns Spaltungsphänomene zunächst als störend und pathologisch. Zwischen einer "Frühstörung" mit nicht überwundener Spaltung und späteren flüchtigen oder dauerhaften Regressionen mit Rückgriff auf Spaltung als Bewältigungsmechanismus ist aber zu unterscheiden. Ausgehend von der Darstellung theoretischer Konzeptionen sollen in klinischem Material die verschiedenen Erscheinungsformen von Spaltung und der mögliche Umgang damit  untersucht werden.
In den Nachmittagsveranstaltungen soll Gelegenheit gegeben werden, dies an Fallmaterial der Teilnehmer*innen zu vertiefen.

D03 Jekyll und Hyde

Prof. Dr. med. Wolfgang Milch

Jekyll und Hyde
Die vertikale Spaltung unter dem Aspekt von Empathie, Mentalisierung und Resonanz

Prof. Dr. med. Wolfgang Milch

Tätigkeit in eigener Praxis und Ausbildungstätigkeit, Gießen

Das bekannte Phänomen, dass ganze Selbstanteile, manchmal wie ein unabhängiges Selbst, abgespalten ein Eigenleben führen können, soll unter bekannten und neuen Blickwinkeln betrachtet werden. Diese abgespaltenen psychischen Inhalte können traumatisches Erleben unter Verschluss halten. Ein „angepasster“ Selbstanteil ist im Alltagsleben unauffällig und hat eigene verdrängte Anteile, ein anderer –abgespaltener Anteil - wird nur unter bestimmten Umständen (z.B. Trigger) aktiviert und führt dann ein dominantes, häufig gefährliches Eigenleben, das von dem anderen Anteil nicht mehr kontrolliert werden kann. Auch diese Selbstanteile haben ein eigenes Verdrängtes. Selbst- und Fremdgefährdung gehen von gewalttätigem, politisch destruktivem, promiskuitivem und pädophilen Verhalten aus, um nur einige Gefahren zu nennen. Therapeutisch ist es schwer, mit diesen Selbstanteilen in Kontakt zu kommen, so dass diese Patienten eine besondere Herausforderung darstellen.